Opfer des NS Regimes

Foto: Archiv Verein Erinnern, Villach
 

 

Anton Tuder

geboren am 16. Jänner 1888 in St. Lamprecht bei Rosegg

gestorben am 27. August 1942 im KZ-Mauthausen-Gusen

zuletzt wohnhaft in Maria Gail 25, Villach

 

Anton Tuder, der unter armen Verhältnissen aufwuchs, erlernte nach dem Besuch der Volkschule den Beruf des Zimmermanns. Drei Jahre nahm er freiwillig am K. u. K. Militärdienst in Pula teil. Später kam er als Magazineur und ab 1931 als Wagenschreiber bei der Reichsbahn unter. Der engagierte Sozialdemokrat konnte sich in drei Sprachen - slowenisch, italienisch, deutsch - in Wort und Schrift verständigen. Im Jahre 1912 ehelichte er Anna Urschitz, Gastwirtin und Trafikantin in Maria Gail. Der Ehe enstammten drei Töchter.

Von 1922 bis 1930 war Anton Tuder für die Sozialdemokraten in der Gemeinde Maria Gail als Gemeinderat und von 1931 bis Februar 1934 als Bürgermeister tätig. Im Februar 1934, unter dem austrofaschistischen Dollfuß-Regime, kam es zur Auflösung der Sozialdemokratischen Partei und in der Folge wurde Anton Tuder als Bürgermeister abgesetzt. In der Pfarrchronik von St. Niklas können wir dazu folgendes lesen:

„Der sonst umsichtige, reell und objektiv denkende, früher einmal slowenisch orientierte, jetzt jedoch der sozialdemokratischen Partei angehört habende Bürgermeister Anton Tuder, Bahnbediensteter i. R., ein naturbegabter Mann, tüchtig und gewissenhaft in seinem Dienst, ausgestattet mit einem gesunden und nützlichen Akkomodationssinn, katholisch gläubig und praktizierend, musste, trotzdem, dass ihm der Bezirkshauptmann selbst das beste Zeugnis eines korrekten Gemeindeverwalters ausstellte, vor den Delegierten der Gemeinde zurücktreten und die Leitung an Thomas Sternad übergeben.“ (zitiert nach Mirko Hofer)

Von jetzt an wurde Anton Tuder von den Austrofaschisten politisch verfolgt und im September 1936 -wegen kommunistischer Betätigung – verhaftet und zu 6 Monaten Arrest verurteilt. Er verlor seine Pension und seine schwerkranke Frau und seine Töchter lebten notdürftig von einer „Gnadenpension.“ Er schrieb deshalb mehrere Bittbriefe um Wiederzuerkennung seiner Pension: Sowohl an das Land Kärnten als auch an den Bundespräsidenten Miklas. Vergeblich. Ein Brief um Unterstützung an das Reichsbahnministerium in Berlin wurde von der NSDAP-Wiedergutmachungsstelle in Klagenfurt durch Friedrich Perkonig abschlägig beantwortet. Am 16. Juli 1940 wurde er mit sieben weiteren Mitgliedern der „Maria Gailer“ Widerstansgruppe, rund um Knes, Tschermenjak und Lipusch, verhaftet. Anfang 1941 kam er frei, aber schon kurz darauf wurde er vom Landesgericht Klagenfurt wegen Hochverrats wiederum verhaftet. Drei Monate später erfolgte seine Enthaftung. Im Februar 1942 kam es zu einer weiteren Verhandlung im Volksgerichtshof in Wien, die mit einem Freispruch endete. Er wurde jedoch ins Landesgericht nach Klagenfurt überstellt, von wo er ohne Begründung am 24. Juli 1942 in das KZ-Mauthausen-Gusen deportiert wurde.

Ein Monat später, bekam die Familie die Nachricht, dass Anton Tuder am 27. August 1942 an „Herzmuskelschwäche“ verstorben ist. Nach der Eingemeindung von Maria Gail wurde aufgrund einer Initiative des SPÖ-Gemeinderates Franz Prettner im Jahre 1978 eine Straße in Anton-Tuderstraße umbenannt.

 

Quellen:

Mirko Hofer: Maria Gail - Aus der Geschichte der einstigen Landgemeinde, Villach 1999, S. 341. August Walzl: Gegen den Nationalsozialismus, Klagenfurt 1994, S. 74. Alpe adria 5/94, Andrea Lauritsch, S.15. Gespräch mit Franz Prettner im Mai 1998.

 

Letzter Brief von Anton Tuder aus dem KZ-Gusen/Mauthausen an seine Familie.

Meine Lieben!

Teile Euch mit, daß ich mich seit 24. Juni im KZ-Gusen befinde, bin gesund. Wie geht es Euch, habt Ihr viel Arbeit? Hoffe, daß auch Ihr gesund seid und die viele Arbeit bewältigen könnt. Was mach Anni mit den Kindern? Soviel ich mich erinnern kann, kommt ja im September wieder etwas Kleines. Ist Franz wohl auch zu Hause oder ist er vielleicht eingerückt? So und nun meine Lieben, sorgt Euch nicht um mich, auch das wird vorübergehen. Ratschläge kann ich Euch betreffs der Wirtschaft keine geben, weil ich nicht mehr im Bilde bin. Grüße und küsse Euch alle recht herzlich, besonders Dich, meine liebe Mami, Kinder und Enkel!

Euer Vater.

 

Quellen:

alpe adria 5/94. Mirko Hofer, Maria Gail – Aus der Geschichte der einstigen Landgemeinde.

 

HH

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