Opfer des NS Regimes

Hermann Pischelsberger

geboren am 7. April 1913 in Kreuth, Gemeinde Staßburg

hingerichtet am 23. Februar 1945 in Wien

zuletzt wohnhaft in Bergl Nr. 1 / Rosegg / Rožek

Hermann Pischelsberger wurde 1913 als Sohn der Magd Sophie Gucher in Kreuth bei Straßburg geboren. Im April 1916 ehelichte die Mutter den Vater des Kindes, Michael Pischelsberger, einen Sägearbeiter aus Straßburg. Mit sechs Jahren kam Hermann Pischelsberger zu seiner Tante nach Zweinitz, wo er die dreiklassige Volksschule besuchte. Von 1929 bis 1931 erlernte er in St. Veit den Beruf des Mechanikers und besuchte dort die gewerbliche Fortbildungsschule. Anschließend war er für einige Jahre bei seinem Onkel in Bergl bei Rosegg als landwirtschaftlicher Arbeiter beschäftigt. Danach beendete er die Mechaniker Lehre in einer Villacher Maschinenbauanstalt. Am 19. Juni 1937 absolvierte er die Gesellenprüfung mit gutem Erfolg.

Nachdem er mehrere Jahre in seinem Beruf tätig war, wurde er im September 1940 zur Deutschen Wehrmacht eingezogen, wo er schließlich den Dienstgrad eines Obergefreiten bekleidete. Im August 1941 wurde er in Norwegen verwundet. Nach einem längeren Lazarettaufenthalt wurde er im Jänner 1942 zur Waffenmeisterei in Villach abkommandiert. Im Juni 1942 verheiratete er sich mit Barbara (Betty) Molzbichler und im Herbst desselben Jahres kam er an die Ostfront.

Nachdem er von einer neuerlichen Verwundung genesen war, wurde er einer Transporteinheit zugeteilt, die die Aufgabe hatte Beutegut und Kriegsgerät von der Ostfront ins Deutsche Reich zu schaffen. Schließlich kam Pischelsberger im April 1944 mit einem Transport russischer Beutewaffen nach Leoben, wo er mit der Bewachung des Kriegsgerätes beauftragt war.

In Leoben kam er mit Vertretern der Österreichischen Freiheitsfront (ÖFF) in Kontakt, die für ein freies, unabhängiges und antifaschistisches Österreich kämpften. Die Widerstandsgruppe in Leoben wurde vor allem von lokalen KPÖ-Kadern gebildet. Neben Teilen der obersteirischen Arbeiterschaft  hatten sich der Leobener Widerstandsgruppe auch Wehrmachtsdeserteure angeschlossen. Über slowenische „Fremdarbeiter“ wurden auch Kontakte zu jugoslawischen Partisaneneinheiten hergestellt. Ab Ende 1942 brachte die Gruppe Flugblätter in Umlauf, die zum Widerstand gegen das Naziregime aufriefen.

Im Frühjahr 1944 nahmen obersteirische Partisaneneinheiten den bewaffneten Kampf auf. Zu diesem Zeitpunkt traf Hermann Pischelsberger in Leoben auch den am obersteirischen Widerstand beteiligten Villacher Kommunisten Max Muchitsch. Bei einem Treffen bat Muchitsch den Wehrmachtsangehörigen Pischelsberger, die Partisanen bei ihrem Befreiungskampf mit Waffen zu versorgen. Gemeinsam mit einem ebenfalls ins Leobener Gerätelager abkommandierten Kameraden versorgte Pischelsberger die österreichischen Patrioten mit Waffen. In seinem Buch  „die rote Stafette“ erinnert sich Max Muchitsch an die gefahrvolle Beschaffungsaktion:

„Die beiden Soldaten hatten in tagelanger Arbeit, immer den günstigsten Moment der Postenablöse ausnutzend, nach und nach Munition, Sprengstoff und verschiedene Beutewaffen im Geräteschuppen versteckt. Das war eine gefahrvolle Arbeit gewesen  und hätte man sie dabei entdeckt, das Militärgericht hätte bestimmt nur ein Urteil gefällt: „Tod durch Erschießen“.

Am 18. August 1944 wurde Pischelsberger wegen „Unterstützung der ÖFF-Banditen“,  wie es in der Anklageverfügung hieß, festgenommen und in das Gestapogefängnis Leoben eingeliefert.  Seine im dritten Monat schwangere Frau wurde wegen Verdachtes der Mitwisserschaft ebenfalls inhaftiert. Nach „eingehender Befragung“ durch die Gestapobeamten wurde Hermann Pischelsberger in das Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis in Wien Döbling überstellt. Am 21. Dezember 1944 wurde Hermann Pischelsberger vom Reichskriegsgerichtwegen „Kriegsverrat“ zum Tode verurteilt und zwei Monate später, am 23. Februar 1945 hingerichtet.

Quellen: Werner Koroschitz, Zeichen setzen - NS-Opfer der Marktgemeinde Rosegg, Verlag Hermagoras, Klagenfurt / Celovec 2010. Geburtsurkunde (PA) . Todesurteil (PA). Benachrichtigung des Oberlandesgerichtes Graz an seine Mutter (PA). Gesellenbrief (PA). Brief an seine Frau aus dem Gefängnis in Wien (PA). Max Muchitsch, Die Rote Stafette, Vom Triglav zum Hochschwab, Wien 1985. Fragebogen für politische Häftlinge, Kreis Villach (PA).

 

 

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