Opfer des NS Regimes

Foto: Privat, Helga Emperger, Villach

 

 

Maria Peskoller, geb. Greil

geboren am 5. Dezember 1902 in Görtschach, Gemeinde Dölsach in Osttirol

hingerichtet am 23. Dezember 1944 in der NS Hinrichtungsstätte Landesgericht Graz

zuletzt wohnhaft in Villach, Sonnenstraße Nr. 18

 

Maria Peskoller, geborene Greil, entstammte einer konservativen und religiösen Bauernfamilie aus Görtschach in der Gemeinde Dölsach in Osttirol, wo sie auch zur Schule ging und ihre Kindheit und Jugend verbrachte. Vor ihrer Eheschließung mit Josef Peskoller im Juli 1928, der bei der Eisenbahn beschäftigt war, arbeitete sie als Köchin an verschiedenen Stellen in Tirol. Zu Beginn der 1930er Jahre trat sie politisch noch nicht in Erscheinung. Damals galt ihr Hauptaugenmerk, nach der Geburt ihrer Töchter Helga im Jahre 1928 und Roswitha im Jahre 1932, vor allem der Familie. 1932 übersiedelte sie mit ihrem Mann Josef aus beruflichen Gründen von Lienz nach Villach. Zwei Jahre später, nach der Ausschaltung der parlamentarischen Demokratie durch die Austrofaschisten im März 1934, begann für die Familie Peskoller eine Phase der Verfolgung, Repression und Illegalität. Josef war aktives Mitglied der sozialdemokratischen Partei und als bekannter „Roter“ wurde er bei den österreichischen Bundesbahnen bereits 1934 in einen „zeitlich begrenzten Ruhestand“ versetzt. Die Ereignisse 1934 haben Josef, der schon in ganz jungen Jahren zu den Sozialdemokraten ging, bewogen der kommunistische Partei beizutreten, wo er seine politische Heimat fand. Wegen illegaler kommunistischer Betätigung musste er 1935/1936 eine achtmonatige Haftstrafe im Anhaltelager Wöllersdorf verbüßen. Maria Peskoller hielt damals die Familie mit Haushalts- und Schneiderarbeiten über Wasser. Im Juni 1940 wurde Josef Peskoller wegen Vorbereitung „hochverräterischer Unternehmen“ und „Beeinflussung der Massen“ in Villach von den Nazis verhaftet. Im Februar 1942 wurde er zu einer zwanzigmonatigen Haftstrafe verurteilt. Im Sommer 1944 fiel Josef einer groß angelegten Verhaftungswelle der Gestapo zum Opfer und blieb bis Kriegsende in Klagenfurt in Haft. In diesen Jahren begann die Widerstandstätigkeit von Maria Peskoller. Sie war in ein vielfältiges politisches Kontaktnetz eingebunden, das sich von den Partisanen in Leoben Donawitz rund um Max Muchitsch, über die kärntner-slowenischen Partisanen, entflohene Zwangsarbeiter bis hin zu den Widerstandszellen innerhalb der Deutschen Reichsbahn spannte. Im Rahmen dieses Netzwerkes und im Rahmen ihres persönlichen Netzwerkes und Freundeskreises auf lokaler Ebene organisierte Maria, unter dem Decknamen „Anna“, die Übermittlung von politischen Nachrichten und den Transport sowie die Verteilung von Flugblättern. Zu Ihren engsten Mitstreitern in Villach zählten Rosa Eberhard, Margarete Jessernigg und Valentin Clementin aus Seebach bei Villach. Ebenfalls eingebunden waren Maria Jenne aus Kellerberg und Milan Jelič, der in der Marmelade Fabrik Pomona in St. Ruprecht bei Villach beschäftigt war. Im Jahre 1944 beteiligte sich Maria, gemeinsam mit den eben genannten Personen, am Aufbau einer Partisanengruppe im Raum Villach. Inwiefern diese Bemühungen mit der slowenischen Befreiungsfront in Verbindung zu bringen sind ist unklar. Fest steht jedoch, dass Maria bereits seit den Anfängen der Partisanenbewegung mit der slowenischen Befreiungsfront in Verbindung stand. Dazu ein Zitat des Widerstandskämpfers Max Muchitsch aus Leoben: „Für den Raum Villach jedoch war eine der ersten tätigen Frauen Genossin „Anna“, Maria Peskoller. Schon im Herbst 1942 nahm ich selbst wieder mit den Villacher Genossen Verbindung auf, und „Anna“ war es, die für unsere Partisanengruppe Leoben-Donawitz dann die Verbindung zu den Partisanen im Rosental über Villach aufrecht erhielt.“ Dass es überhaupt möglich war eine im Wald lebende kämpfende Gruppe zu bilden, ist auf die Kontakte Marias zu Wehrmachtsdeserteuren, Wehrdienstverweigerern und entflohenen Zwangsarbeitern zurückzuführen. Im Spätsommer 1944 wurden mehrere Deserteure und drei entflohene Zwangsarbeiter in den Wald geschleust. Zum Kern dieser Partisanengruppe gehörten die beiden Deserteure Erich Ranacher aus Lienz und Josef Ribitsch aus Ferlach, die beide schon bei den slowenischen Partisanen eine Ausbildung erhalten hatten, ferner der Deserteur Heinrich Brunner aus Seebach bei Villach und die russischen bzw. ukrainischen Zwangsarbeiter Wasil Gollobin, Juan Sirokin und Michael Kassulin. Die Partisanengruppe lebte in selbstgebauten Waldbunkern in der Umgebung von Villach. Ihr Aktionsradius erstreckte sich vor allem auf das Gegendtal. Es kam auch zu Feuergefechten mit den nationalsozialistischen Verfolgern. Bei einem dieser Feuergefechte im Krastal wurde ein Landwachtmann getötet. Wie aus den Aufzeichnungen der Gendarmeriechronik von Afritz hervorgeht, verursachte die Gruppe offensichtlich eine tiefe Verunsicherung bei den lokalen nationalsozialistischen Machthabern.

Zitat aus der Chronik: „Ab 30. 10. musste das Elektrizitätswerk Arriach-Klamm im Postenbereich Treffen durch Landwachtmänner des hiesigen Postenbereiches bis 24. 11. zur Nachtzeit ständig bewacht werden. Mit 4. 11. nach 18 Uhr haben 9 bewaffnete Banditen in Verditz Nr. 15 Lebensmittel geraubt. Auf das hin wurde der Posten um 3 Gendarmen verstärkt und musste durch Tage hindurch Lauerstellungin den Ortschaften Verditz und Schattenberg unter der Heranziehung der Landwachtzur Nachtzeit bezogen werden, bis die Treffnerbande festgenommen wurde.“

Zwischen dem 11. und 19. November gelang es der Gestapo fast die gesamte Gruppe festzunehmen. Maria Peskoller wurde mit ihren beiden Töchtern Helga und Roswitha am 11. November 1944 festgenommen und vorerst in das Gestapogefängnis in Villach inhaftiert. Die damals 12-jährige Roswitha wurde wieder entlassen. Nach einiger Zeit wurden beide in das Landesgerichtsgefängnis nach Klagenfurt überstellt. Der Prozess gegen die Treffner Partisaninnen und Partisanen fand am 17. und 18. November unter dem Vorsitz von Roland Freisler statt und am 21. Dezember 1944 wurde das Urteil verkündet: „Josef Ribitsch, Heinrich Brunner und Erich Ranacher haben als Bunkergemeinschaft kommunistischer Deserteurbanditen die ehrlich arbeitende Bevölkerung zusammen mit ausländischen Arbeitern raubend terrorisiert und auch das Leben eines anständigen Landwachtmannes auf dem Gewissen. Valentin Clementin und Milan Jelič haben ihnen Waffen und Munition geliefert. Frau Maria Peskoller Frau Margarete Jessernigg und Frau Rosa Eberhard gaben ihnen die Basis in der Bevölkerung, ohne die sie ihr Verräterleben nicht hätten führen können. Frau Peskoller und Frau Jessernigg ließen sie immer wieder bei sich schlafen, führten ihnen ausländische Arbeiter zu und halfen ihnen auch sonst. Sie alle haben sich dadurch volksverräterisch zu Handlangern unserer Kriegsfeinde gemacht. Für immer ehrlos werden sie mit dem Tod bestraft.“ Für die drei entflohenen Zwangsarbeiter gab es keine Gerichtsverhandlung. In diesem Fall entschied die Villacher Gestapo über Leben und Tod. Sie wurden im Jänner 1945 in der Villacher Innenstadt an Fensterkreuzen aufgehängt. Maria Peskoller wurde am 23. Dezember 1944 im Landesgericht Graz hingerichtet. Die Ermordete wurde am Grazer Zentralfriedhof verscharrt. Die genaue Grabstelle der Hingerichteten konnte nie eruiert werden.



Quellen:

Max Muchitsch, Die Rote Stafette, Wien 1985, S. 164, 165, 167 168, 169. Zahlreiche Gespräche mit der Tochter Helga Emperger . Lisa Rettl und Jenny Gand: Wilde Minze, ein Dokumentarfilm, www.wildeminze.at. August Walzl, Gegen den Nationalsozialismus, Klagenfurt 1994, S.251. Martin Kofler, Abriss der Zeitgeschichte Osttirols, Lienz 1992, S. 35, 36. KLA LG Strafakten / Sch 257, Vr 2831/46.

 

 

Abschiedsbrief von Maria Peskoller an ihren Mann und ihre Kinder.

 

Geschrieben am Tag ihrer Hinrichtung, Graz, 23.12.1944

 

Mein lieber Mann und Kinder!

Jetzt muß ich Euch benachrichtigen, daß mein Todesurteil vollstreckt wird. Bitte schau mir auf die Kinder, daß aus die Kinder anständige Menschen werden. Der letzte Gedanke ist bei Euch. Wie ich mich mit Helga verabschiedete, hab ich mir das nicht gedacht. Von dir Sepp konnte ich mich nicht mehr verabschieden. Ich habe nichts verbrochen, habe als anständige Mutter gelebt und auf die Kinder und auf Dich geschaut. Wenn ich von meinem Leben mehr gehabt hätte. Die Kinder sollen alles teilen, der Ring gehört Helga als Geburtstagsgeschenk zum 16. Geburtstag. Ich bitte dich noch mal schau auf die Kinder, vielleicht bekommst die Tatschl Paula als Wirtschafterin. Ich schreibe auch meinen Leuten zum Greil. Meine liebsten Kinder! Heute schreibe ich Euch die letzten Zeilen. Wir müssen uns für immer trennen. Ihr wißt ja wie ich zu Euch war, immer das beste, ich bitte Euch noch mal werdet anständige Menschen, so wie ich es war. Kinder hilft zusammen und tut ja nie zanken. Geht zusammen sobald die Helga heimkommt. Die Armbanduhr gehört Roswitha. Tante Anny auch recht schöne Grüße. Bitte schau, daß die Kinder was zum anziehen haben. Es wird wohl etwas Stoff sein in der Wohnung, liefert alles heim. Also meine Lieben alle, jetzt geht der Brief zu Ende, auch mein Leben. Mein liebster Sepp, Helga und Roswitha viele 1000 Bussi, meinem Mann viele viele 1000 Bussi und Grüße an meine Kinder.

 

Quellen:

Brief im Besitz der Tochter Helga Emperger. Abschrift gemacht von Hans Haider.

 

 

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