Opfer des NS Regimes

Jožef Kokot

geboren am 18. September 1923 in Oberdorf/Zgornja vas bei Köstenberg

ermordet am 25. September 1944 im KZ-Mauthausen

zuletzt wohnhaft in Oberdorf/Zgornja bei Köstenberg/Kostanje

 

Jožef Kokot, in der Familie liebevoll Jožek genannt, kam als erstes Kind des Ehepaares Josef und Magdalena Kokot zur Welt. Der Bub besuchte und absolvierte die Volksschule in Köstenberg. Bereits als Kind musste er, um der kleinen Bergbauernwirtschaft vulgo Zupek das Bestehen zu sichern, brav mitarbeiten. Die Familie wuchs im Laufe der folgenden Jahre auf elf Mitglieder an, und wegen der vorherrschenden Not nach dem Ende des Ersten Weltkrieges blieb es dem Jungen nicht erspart, auch auf den Nachbarhöfen auszuhelfen und auf diese Weise seiner Familie zu helfen.

Nach dem „Anschluss“ Österreichs im März 1938 an das Deutsche Reich, musste Jožek auf Anweisung der örtlichen NSDAP als Knecht auf dem Hof der Familie Kuchling arbeiten, denn alle Söhne dieses Bauern waren freiwillig in die Deutsche Wehrmacht eingerückt. Am 14. April 1942 begann die gewaltsame Deportation slowenischer Familien aus Kärnten in verschiedene Zwangsarbeitslager nach Deutschland. Auch die Familie Kokot war davon betroffen. Die Kärntner Slowenen wurden von dieser Aktion buchstäblich im Schlaf überrascht. In seinem Buch „Das Kind das ich war“ erinnert sich der damals sechsjährige Andrej, das jüngste Kind der Familie: „Am Morgen weckte uns lautes Getöse, Pochen an der Haustür, Hundegebell und Rufe: »Aufmachen! Aufmachen!« Wir sahen Männer in Uniformen, die Vater und Mutter ins Gesicht leuchteten und etwas erklärten. Wir verstanden nicht, wovon sie redeten, wussten aber gleich, dass etwas Ungewöhnliches vorging. Fragend blickte ich in das verwirrte Gesicht meiner Mutter. Mit zitternder Stimme sagte sie leise: »Wir müssen fort«. … Als wir den Hof verließen, brüllte das Vieh im Stall, als ob es von uns Abschied nehmen wollte. Vor den Häusern standen Leute und schauten schweigend zu, wie wir von Soldaten bewacht das Dorf verließen.“

Sohn Jožek stellte man frei, auf dem Kuchling-Hof zu verbleiben oder aber an der Deportation teilzunehmen. Er entschloss sich für den Verbleib bei seiner Familie, für den Weg in die Vetreibung. Das erste Lager, in das die Familie Kokot verbracht wurden, war Rehnitz, ein Ort im annektierten Polen. Dort wurden die Männer unverzüglich zur Zwangsarbeit eingeteilt. Weil es zuwenig Zugtiere gab, mussten die Menschen die voll geladenen Fuhrwerke zum Lager schleppen, unter ihnen auch Jožek und sein Vater. Nach einem drei Monate währenden Aufenthalt wurden die Familie in das Lager Rastatt in Süddeutschland überstellt. Dort musste Jožek in der Ziegelfabrik Ettlingen arbeiten, bis er eines Tages nicht mehr von der Arbeit nach Hause kam. Man hatte ihn wegen seiner Kontakte zu russischen Häftlingen im Stadtgefängnis in Rastatt eingesperrt. Die Eltern und Geschwister sahen ihn noch einige Male unter Bewachung beladene Wagen durch die Stadt ziehen. Bald darauf verloren sie ihn aus den Augen. Die Lagerleitung wollte der Familie nicht mitteilen, was mit ihm geschehen war.

Erst acht Jahre später stellte sich heraus, dass Jožef Kokot in das Konzentrationslager Mauthausen verbracht wurde. Er wurde dort unter der Häftlingsnummer 91659 eingetragen. Am 12. September 1944 wurde er mit 24 anderen Häftlingen in das KZ Loibl, eines der vielen Außenlager von Mauthausen, überstellt und beim Tunnelbau eingesetzt. Am 21. September 1944 wird er wieder zurück in das Hauptlager Mauthausen geschickt und kurz darauf ermordet. Erst im Frühjahr 1953 wurde den Eltern, sie befanden sich wieder daheim in Köstenberg, die Sterbeurkunde zugesendet: „Er wurde auf Befehl des Reichsführers SS am 25. September 1944 um 16 Uhr 30 Minuten im Konzentrationslager Mauthausen erhängt“. Warum dies geschah, ist der Familie bis heute unbekannt geblieben. Ebenso bleibt ungeklärt, warum die Behörden der Republik Österreich die Todesnachricht erst im Herbst des Jahres 1953 an die Familie weiterleiteten. Da die österreichischen Behörden die Eltern erst so spät informierten, erhielten diese keine Rente, wie sie der Staat jenen zuerkannte, deren Söhne in den Reihen der Deutschen Wehrmacht gefallen sind.

 

Quellen:

Andrej Kokot: Das Kind, das ich war, Erinnerungen an die Vertreibung der Slowenen aus Kärnten, Klagenfurt/Celovec 1999. 2. Auflage 2007. Mehrere Gespräche mit Andrej Kokot. Kopie der Sterbeurkunde (PA). Renate Schönfeldinger-Siekierzynski, Kärntens slowenische Kinder, Klagenfurt 1996. Janko Tišler: Das Loibl-KZ, Schriftenreihe der KZ-Gedenkstätte, Mauthausen 2007.

 

 

login