Opfer des NS Regimes

Josef Kassin

 

geboren am 14. Juni 1930 in Nötsch/Čajna

ermordet am 10. Dezember 1941 in der „Kinder- und Jugendfürsorgeanstalt  Am Spiegelgrund“

 

Josef wächst auf einen kleinen Bauernhof bei seinen Eltern auf, seine Schlafstelle ist der Backofen. Josef ist unansprechbar, sehr ängstlich und unruhig. Der zuständige Amtsarzt beantragt dringend eine Unterbringung in der Anstalt „Am Spiegelgrund“.

Am 14. Juli 1941 wird der 11-jährige Bub im Pavillon 15 aufgenommen. Eine Woche später erfolgt die übliche Untersuchung durch Dr. H. Gross, der ihn als „tiefstehenden Idioten“ bezeichnet. Die Schwesternberichte ergeben, dass sich das Kind im Laufe seines Aufenthaltes und erziehungsfähig wäre: „… lebhaftes Kind, nimmt Anteil an seiner Umgebung …“. „… Kind ist anschmiegsam zur Schwester, hat gern, wenn man mit ihm plaudert und freundlich ist … An- und Auskleiden tut er sich allein, ebenso zu kleinen Handgriffen, wie Geschirr auf den Tisch tragen, ist er verwendbar …“

Die positiven Berichte der Schwestern bewahren ihn jedoch nicht vor der Ermordung. Am 10. Dezember 1941 stirbt Josef. Todesursache unbekannt.

 

Quelle: Waltraud Häupl, Die ermordeten Kinder vom Spiegelgrund, Böhlau Verlag 2006.

 

Bemerkung:

 

In der Wiener „Heil- und Pflegeanstalt“ Am Steinhof wurde im Jahr 1940die städtische „Kinder- und Jugendfürsorgeanstalt Am Spiegelgrund“ eingerichtet. Beinahe 800 Kinder und Jugendliche fanden in dieser Tötungsanstalt zwischen 1940 und 1945 den Tod. Viele von ihnen deswegen, weil sie dem „Reichsausschuss zur wissenschaftlichen Erfassung von erb- und anlagebedingten schweren Leiden“, der Tarnorganisation für den Mord an Kindern und Jugendlichen, gemeldet wurden und dieser sie als „lebensunwert“ einschätzte. Verschiedene Kriterien wie z. B. „Idiotie, Lähmung oder Missbildung verschiedener Art“  wurden dabei als Gründe für die Meldung der Kinder genannt. Tatsächlich war allerdings oftmals das Kriterium der späteren Arbeitsfähigkeit ausschlaggebend bei der Entscheidung über Leben und Tod.

 

Quelle: Zitiert nach Wolfgang Haider im Buch: Bernhard Gitschtaler, Die Opfer des Nationalsozialismus im und aus dem Gailtal, 2015 Otto Müller Verlag Salzburg-Wien.

 

 

 

 

 

 

 

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