Opfer des NS Regimes

Foto: Museum der Stadt Villach

 

Margarete Jessernigg

geboren am 10. Mai 1907 in Hirschwang/Neunkirchen

hingerichtet am 23. Dezember 1944 in der Hinrichtungsstätte Landesgericht Graz

zuletzt wohnhaft in Villach, Auf der Heide Nr. 3

 

Margarete Jessernigg, Mutter von zwei Kindern (Margarete geboren 1927 und Karoline geboren 1930) betätigte sich als aktive Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime in Villach. Margarete war in die Widerstandsgruppe rund um Maria Peskoller eingebunden, mit der sie auch privat gut befreundet war. Zum Kern dieser Widerstandsgruppe gehörte neben Maria Peskoller noch Rosa Eberhard aus Villach, Valentin Clementin aus Seebach und Milan Jelič, der in der Marmeladefabrik Pomona in St. Ruprecht beschäftigt war. Im Spätsommer 1944 gelang es dieser Gruppe eine im Wald lebende und kämpfende Partisanengruppe aufzubauen. Diese Gruppe bestand aus den drei Wehrmachtsdeserteuren Erich Ranacher aus Lienz, Josef Ribitsch aus Ferlach, Heinrich Brunner aus Seebach und den drei entflohenen russischen Zwangsarbeitern Wasil Gollobin, Juan Sirokin und Michael Kassulin. Der Aktionsradius dieser Gruppe, die im Nazijargon die Treffner Bande genannt wurde, erstreckte sich vor allem auf das Gegendtal. Mitte November 1944 ist die Gruppe aufgeflogen und es gelang der Gestapo in mehreren Etappen die gesamte Gruppe festzunehmen. Margarete Jessernigg wurde am 11. November mit ihren beiden Töchtern von der Gestapo verhaftet und in Villach inhaftiert. Dort wurde sie, laut Aussage ihrer Tochter Margarete, vom Villacher Gestapobeamten Glatz vernommen und während des Verhörs blutig geschlagen. Ein paar Tage später wurde sie gemeinsam mit ihrer Tochter Margarete in das Landesgerichtsgefängnis nach Klagenfurt überstellt. Die jüngere Tochter Karoline, die damals 14 Jahre alt war, wurde freigelassen und kam zur Oma nach Mürzzuschlag. Der Prozess gegen sie fand am 17. und 18. November in Klagenfurt unter dem Vorsitz von Roland Freisler statt. Am 21. Dezember 1944 wurde das Urteil verkündet: „Josef Ribitsch, Heinrich Brunner und Erich Ranacher haben als Bunkergemeinschaft kommunistischer Deserteurbanditen die ehrlich arbeitende Bevölkerung zusammen mit ausländischen Arbeitern raubend terrorisiert und auch das Leben eines anständigen Landwachtmannes auf dem Gewissen. Valentin Clementin und Milan Jelič haben ihnen Waffen und Munition geliefert. Frau Maria Peskoller Frau Margarete Jessernigg und Frau Rosa Eberhard gaben ihnen die Basis in der Bevölkerung, ohne die sie ihr Verräterleben nicht hätten führen können. Frau Peskoller und Frau Jessernigg ließen sie immer wieder bei sich schlafen, führten ihnen ausländische Arbeiter zu und halfen ihnen auch sonst. Sie alle haben sich dadurch volksverräterisch zu Handlangern unserer Kriegsfeinde gemacht. Für immer ehrlos werden sie mit dem Tod bestraft.“

Margarete Jessernigg wurde am 23. Dezember 1944 im Landesgericht Graz hingerichtet. Die Ermordete wurde am Grazer Zentralfriedhof verscharrt. Die genaue Grabstelle der Hingerichteten konnte nie eruiert werden. Ihre damals 17-jährige Tochter Margarete wurde zu zwei Jahren Jugendgefängnis verurteilt. Sie wurde aber nie in ein Jugendstraflager überstellt, sondern blieb bis zum 5. Mai 1945 in Klagenfurt in Gestapohaft. Im Jahre 1949 stellte die Villacher KPÖ einen Antrag für eine Gedenktafel für diese hingerichteten Villacher WiderstandskämpferInnen. Dieser Antrag wurde im Villacher Gemeinderat mehrheitlich abgelehnt.

 

Quellen:

DÖW 1936. Alpe adria 5/94 Andrea Lauritsch. Max Muchitsch: Die Rote Stafette, Wien 1985, S. 164, 165, 167, 168 , 169. Gegen den Nationalsozialismus, A. Walzl, S. 251. Antrag an die Stadtgemeinde (PA). Fragebogen für politische Häftlinge (PA). Lisa Rettl, Jenny Gand, Wilde Minze, ein Dokumentarfilm, www.wildeminze.at. KLA LG Strafakten / Sch 257, Vr 2831/46. Gespräch mit Margarete Scheikl, Tochter von Margarete Jessernigg im Dezember 2006.

 

 

 

Brief von Margarete Jessernigg aus der Gestapohaft in Klagenfurt

 

Klagenfurt 19. Dez. 1944

Liebste Mutter und Karla!

Wie Du liebe Mutter von Karla vielleicht schon erfahren haben wirst, bin ich seit 11. November in Haft. Und heute den 18. Dezember zum Tode verurteilt worden bin. Ich selbst machte sofort ein Gnadengesuch wenn daß nichts nützen solle bitte ich Dich liebes Mütterlein, daß Du mir vielleicht folgende Wünsch erfüllst. Und auch Tante Marie und Onkel Dir beistehen. Auch bitte ich vielmals Greti. Vor allem bitte schaut auf meine lieben Kinder. Vielleicht geht es, daß Du liebe Mutter ein Zimmer nimmst und die Sachen zu Dir nehmen könntest. Ich möchte, das die Sachen die Kinder bekommen, da ich alles sehr schwer zusammengebracht habe. Die Möbel vom ersten Zimmer gehören mir, die vom zweiten Zimmer gehören dem Schwiegervater. Die Nähmaschine gehört der Nichte Mitzi, weil die ist von Ihrer Großmutter. Kücheneinrichtung, Vorzimmer und Kabinet gehört alles mir. Die Hobelbank gehört dem Schwager Erler. Was das Motorrad anbelangt sollen die Kinder tun was sie wollen. Die Wäsche und die Kleider gehören alles den Kindern.

Liebe Mutter, bitte schau das Karla einen ordentlichen Beruf lernt. Karla sei recht brav und folgsam. Mein liebes Karlalein denke recht oft an Deine Mama und bete für deine Eltern. Sei recht brav und schau das du in deinem Leben recht gut durchkommst, mein Wunsch ist das du liebe Karla dich auch mit Greti recht gut verstehst und eine der anderen zur Seite steht, da Ihr elternlos seid. Liebe Mutter, Tante, Onkel und Greti verzeiht mir wenn ich in meinem Leben etwas zuleide getan habe. Liebe Mutter vielleicht machst du schnell noch ein Gesuch an den Führer das ich begnadigt werde vielleicht erreicht Ihr noch etwas und bitte auch bei Schwager Matschedolnig aus St. Veit a. d. Glan Wagstraße Nr. 3 bitte es muß sofort erledigt werden sonst ist es zu spät. Ich hoffe doch das ich noch ein Glück haben werde. Wenn es nicht der Fall sein sollte dann bitte ich dich liebe Mutter nehme es nicht so tragisch denn das Schicksal war für mich sehr hart. Bedanke mich für alles recht herzlich was Du mir alles getan hast und meinen Kindern. Auch bedanke ich mich recht herzlich bei Tante Greti und Onkel. Auch bitte vergesst nicht an den Vater seinen 86. Geburtstag am 2. Feber aber bitte erwähnt von meinem Schicksal nichts. Greti ist auch hier, wurde zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.

Liebe Mutter, Karla, Tante, Onkel und Greti vielleicht sehen wir uns doch noch einmal. Wenn es nicht der Fall sein sollte, wünsche ich Euch alles gute und liebe und bleibt stark.

Recht liebe Grüße und Küsse Eure

Tochter und Mutter

 

Quelle: Museum der Stadt Villach. Abschrift Hans Haider.

 

 

 

Abschiedsbrief von Margarete Jessernigg an ihre Kinder

 

Geschrieben am 23. Dezember 1944 in der Haftanstalt Landesgericht Graz.

Meine liebsten Kinderlein!

heute den 23. Dezember muß ich Euch mein trauriges Schicksal mitteilen, daß ich meinen letzten Tag habe. Heute wird das Todesurteil vollstreckt. Liebe Kinder, mein letzter Wunsch ist, dass die Großmutter eine Wohnung bekommt und meine Sachen nimmt und mit Euch liebe Kinder zusammengeht. Wegen der Möbel das müsst ihr regeln. Ihr wisst ja was uns gehört. Liebste Kinder, bitte seid recht brav, daß Ihr ein besseres Leben habt als ich. Folgt der lieben Großmutter, dass Ihr sie lange habt. Ihr wisst ja, das Ihr jetzt Weisen seid. Und betet für Eure lieben Eltern. Die letzten Grüße von Eurer

Mutter

 

Quelle: Museum der Stadt Villach. Abschrift gemacht vom Autor.

 

 

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