Opfer des NS Regimes

Anna Gastl

 

geboren am 28. Mai 1944 Klagenfurt während der Gestapohaft ihrer Mutter

gestorben am 14. Juni 1944 in Klagenfurt/Gaukrankenhaus

 

Die Mutter von Anna Gastl, Josefine Gastl, - zuletzt wohnhaft in St. Stefan Nr. 17, Gemeinde Finkenstein - wurde im Dezember 1943, im vierten Monat schwanger, zusammen mit ihrem Vater Anton und ihrer Schwester Rosa, wegen Partisanenunterstützung verhaftet und in das Gestapogefängnis Klagenfurt überstellt. Ende Mai 1944 kam Anna zur Welt. Sie wurde sogleich ihrer Mutter weggenommen und in das Gaukrankenhaus Klagenfurt eingeliefert, wo sie 14 Tage später an Unterernährung starb. Ihre Mutter Josefine wurde in das KZ-Ravensbrück deportiert. Sie überlebte und kehrte nach dem Krieg zurück. Der Vater von Anna Gastl, Franjo Pöck, wurde im April 1945 von einem Gendarm erschossen.

Anna Gastl ist ein Opfer der "dezentralen NS-Euthanasie".

Die Mutter Josefine Gastl schreibt am 28. Februar 1946 an das „Volksgericht“ in Klagenfurt im Zusammenhang mit der Untersuchung der NS-Euthanasie im Krankenhaus Klagenfurt: „Ich Unterfertigte war von der Gestapo Klagenfurt eingesperrt, worauf ich nach K. Z. Ravensbrück Mecklenburg gebracht war, nach ein paar Monate zurückbefördert und dann in der Anstalt weitergemartert. Mein Verlobter war Partizan … Habe auch ein Kind dort geboren das mir schon die erste Stunde entnommen wurde. Meine Geschwister waren in der Zeit meiner Niederkunft dort anwesend, leider war der Besuch nicht gestattet, trotzdem mein Schwager in Uniform war und leichter ein Besuch vornehmen könnte […] Es wurde von der Schwester der Besuch nicht gestattet, zwecks Angabe einer ansteckenden Krankheit wo ich aber niemals ansteckender Krankheit krank war. Der Besuch meiner Geschwister wurde abgewiesen um sich zu überzeugen dass mein Kind gesund war. Zwei Wochen darauf erhielten sie Telegramm, es sei gestorben.“

Zitiert nach: KLA, Strafakten Landesgericht Klagenfurt, Niedermoserprozess.

 

Quellen:

Krankenakte des LKH-Klagenfurt. Strafakte Niedermoser, KLA. Gespräch mit Luise Ruhdorfer, Nichte von Josefine Gastl. Fragebogen für politische Häftlinge, Kreis Villach (PA).

 

DIE DEZENTRALE NS-EUTHANASIE UND DIE T4-Aktion

 

Die Nationalsozialisten bereiteten die Tötung von geisteskranken Menschen und anderen ihnen „unerwünschten Elementen“ systematisch vor. Schon 1935 deutete Hitler auf dem Reichsparteitag in Nürnberg gegenüber Reichsärzteführer Wagner an, dass er beabsichtige die „unheilbar Geisteskranken zu beseitigen“. Er verwendete genau dieses Verb. Am 18. August 1939 erging ein Runderlass, demzufolge dem Reichsausschuss zur wissenschaftlichen Erfassung von erb- und anlagebedingten schweren Leiden jedes „missgestaltete Neugeborene“ zu melden war. Dies galt rückwirkend auch für Kinder bis zu drei Jahren. Die Verpflichtung betraf Ärzte und Hebammen.

 

Die Euthanasie in Deutschland begann gleich nach Kriegsbeginn mit der Tötung von geisteskranken Kindern. Zur Tötung wurde das Medikament Luminal in großen Dosen verabreicht. Es wurden zwar ärztliche Gutachten erstellt, die diesen Namen jedoch nicht verdienten: Die Gutachter bekamen die Kinder nicht einmal zu Gesicht. Der Leiter der Anstalt Eglfing-Haar „bearbeitete“ beispielsweise 2000 Meldebögen neben seiner normalen Arbeit binnen 3 Wochen.

 

Benannt wurde die Aktion nach ihrer Zentrale in Berlin, Tiergartenstraße 4, als „T-4 Aktion“. Die Tötungen fanden in abseits gelegenen Anstalten statt. (Bernburg, Brandenburg, Grafenek, Hadamar, Hartheim, Sonnenstein) In Österreich gab es eine Anstalt in Hartheim bei Linz. Ab Anfang 1940 erfolgte die massenhafte Ermordung, nach „Probevergasungen“ in den annektierten polnischen Gebieten, in Gaskammern. Verwendet wurde Kohlenmonoxyd, das in Stahlflaschen angeliefert wurde. Getötet wurden nicht nur Geisteskranke, sondern auch Patienten mit chronischen Krankheiten.

 

Einzelne evangelische Bischöfe, wie der würtenbergische Landesbischof Theophil Wurm, protestierten im Juli 1940. Die Proteste nahmen zu, vor allem seitens der Justiz und der Kirchen. Erste Einsprüche richteten katholische Bischöfe direkt an die Reichskanzlei.

Nach diesen kirchlichen Protesten wurde die „T-4 Aktion“  im August 1941 offiziell gestoppt. Die Euthanasie wurde jedoch insgeheim fortgesetzt, d.h. die Tötungen wurden nun dezentral, jedoch bestens organisiert, durchgeführt.

 

Die „T-4 Aktion“ ist heute ziemlich gut erforscht. Ihr fielen ihr mehr als 70 000 Menschen zum Opfer, der späteren dezentralen Euthanasie weitere 50 000 Menschen.

 

In Kärnten sind der „T-4 Aktion“ ungefähr 600 Menschen zum Opfer gefallen und der späteren dezentralen Euthanasie ungefähr 800 Menschen.

 

Quelle: Enzyklopädie des Nationalsozialismus, Wolfgang Benz, Hermann Graml, Hermann Weiß, DTV 1998, ISBN: 3-423-33007-4

Helge Stromberger, Die Ärzte, die Schwestern, die SS und der Tod, Drava Verlag, Klagenfurt 2002.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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