Opfer des NS Regimes

Elisabeth Fritz

geboren am 4. Juli 1880 in Petschnitzen/Pečnica

gestorben am 15. September 1943 im KZ-Ravensbrück

zuletzt wohnhaft in Petschnitzen/Pečnica bei St.Jakob im Rosental/Šentjakob v Rožu

 

Elisabeth Fritz, vulgo Kauz, war die Besitzerin der Kauz-Keusche in Petschnitzen. Sie wurde von ihrem Neffen Jakob Warum aus "verwerflichen Beweggründen" denunziert und im Mai 1943 ins Frauenkonzentrationslager Ravensbrück gebracht, wo sie am 15. September 1943 starb. Die Villacherin Angela Weichsler, die mit Elise Fritz nach Ravensbrück gebracht wurde, erinnerte sich in einer Zeugenaussage:

Ich wurde am 20.4.1943 von der Gestapo in Villach als politisch verdächtig verhaftet. Nach 3 Wochen Haft im Gestapo-Gefängnis in Villach kam ich in das Gestapogefängnis nach Klagenfurt. Als ich eine Woche dort war, kam eines Tages der Befehl: „Anziehen und alles mitnehmen!“ Im Stiegenhaus des Gefängnisses stand ganz verzweifelt eine alte, mir nicht bekannte Frau, die mich angesprochen hatte. Es war Elise Fritz. Sie frug mich wohin es gehe, darauf sagte ich ihr, ich weiß es selber nicht. Diese Frau konnte nicht Deutsch, weswegen ich mit ihr in slowenischer Sprache sprach. Nun wurden wir von Klagenfurt nach Deutschland in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück bei Berlin abtransportiert. Ich glaube dies war im Mai 1943. Im Lager angekommen, wurden ich und Elise Fritz auf Block 6 gegeben. Sie hatte, was ich mich noch erinnern kann die Gef. Nr. 20105 bekommen. Fritz schlief neben mir und klagte mir täglich vor, daß sie unschuldig in das KZ gebracht wurde. Ich frug sie was die Gestapo gesagt habe? Sie antwortete, daß die Gestapo ihr vorgehalten habe, daß sie ihr Anwesen ganz verwahrlost hätte und Partisanen begünstigt habe, dies alles sei jedoch nicht wahr und nur eine Verleumdung. Sie erzählte mir immer von einem Verwandten, der ihr Nachbarbesitzer sei und sie in der Heimat immer mißhandelte. Er hatte auch die Absicht geäußert, ihren Besitz zu übernehmen. Darum machte sich Fritz im KZ täglich den Vorwurf, daß sie nicht den Besitz übergab und dafür hier so leiden müsse. Sie hatte mir auch den Namen ihres Nachbarn genannt, jedoch habe ich denselben schon vergessen. Die Fritz und ich mußten 2 mal zur Vernehmung im Lager antreten. Sie bekam jedesmal Schläge, weil sie beteuerte, daß sie nicht wisse warum sie ins KZ gekommen sei. Nach 6 Wochen KZ wurde die Fritz wieder geschlagen und strafweise auf 2 Wochen in einen Bunker der 6 m unter der Erde war, gesperrt. Als sie nach Ablauf dieser Zeit wieder herauskam, war sie beinahe erblindet und konnte nach 2 Tagen erst wieder das Tageslicht vertragen. In diesem feuchten und dunklen Bunker ist Elise Fritz schwer erkrankt. Sie wurde in den sogenannten Todesblock gebracht. Dort lag sie darin bis sie gestorben ist. Für uns Häftlinge war der Todesblock der sicherste Abschied von dieser Welt, weil aus diesem kein Häftling lebend herauskam, der da hineingebracht wurde. Die Fritz ist darin glaube ich im September 1943 gestorben. Weiters muß ich noch erwähnen, daß die Fritz am ganzen Körper blaue Flecken und Narben, die von den Schlägen herrührten, gehabt hatte, da sie von der Lageraufseherein immer geschlagen wurde. Sie war auch auf das Skelett abgemagert und starb eines elenden Todes. Ich bin danach von Ravensbrück bei Berlin in das Lager Auschwitz gekommen. Ich habe meine Angeben der Wahrheit entsprechen gemacht und habe nichts mehr hinzuzufügen.“

 

Quellen: Totenbuch der Pfarre Petschnitzen; KLA Bezirksgericht Villach Z-Akten, Sch. 87 422/46

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