Opfer des NS Regimes

Anton Falle

geboren am 25. März 1886 in Rajach/Kärnten

gestorben am 15. Jänner 1945 im KZ Dachau

zuletzt wohnhaft in Villach

 

Falle, der nur zwei Jahre lang eine Volksschule besuchen konnte, verbrachte eine überaus harte Jugend als Knecht, ehe er als junger Arbeiter beim Bau der Karawankenbahn eine Beschäftigung fand. Hier tauchte der junge Anton Falle in ein gigantisches Projekt mit etwa 6000 Arbeitern ein und fand bereits früh in die Reihen der Sozialdemokratie. Doch verlor er immer wieder seinen Arbeitsplatz, weil er, wie die meisten führenden Aktivisten jener Tage, von den Unternehmern auf „schwarze Listen“ gesetzt wurde.

So arbeitete er in der Folge als Magazinarbeiter bei Brown Boveri, als Bäckergehilfe, als Aushilfskraft und sogar als Krankenwärter in der Psychiatrie. Alle diese Beschäftigungen waren immer wieder unterbrochen durch längere Phasen der Arbeitslosigkeit.

Erst im Jahre 1918 fand Falle eine fixe Anstellung als Bezirksparteisekretär der Sozialdemokratischen Arbeitrpartei Österreichs in Villach. An der Seite des späteren Landeshauptmanns von Kärnten, Florian Gröger, engagierte sich Falle für die Belange des südlichsten Bundeslandes, als die Zukunft Kärntens von Abwehrkampf und Volksabstimmung verunsichert war. Die jugoslawischen Truppen unter General Rudolf Majster hatten 1919 weite Teile Kärntens für den SHS-Staat in Besitz genommen, und erst nach der Volksabstimmung am 10. Oktober 1920 war klar, dass Kärnten als südlichstes Bundesland ungeteilt bei der Republik Österreich verbleiben würde. Wenig später, im Juli 1921, zog Falle in den österreichischen Nationalrat ein. Diesem gehörte er in der Folge bis zu dessen Auflösung im Jahre 1934 an. Nach dem Tod von Florian Gröger im Mai 1927 wurde Falle überdies Landesparteiobmann der SDAP Kärnten. In beiden Funktionen trat Falle engagiert und wirkungsvoll an die Öffentlichkeit. Seine Plenarbeiträge im Nationalrat zeugen von harter Oppositionsarbeit, gründlicher rhetorischer Vorbereitung und organisatorischem Talent des Politikers. Seinem Engagement ist es auch zuzuschreiben, dass die Sozialdemokratie in Kärnten ab dem Jahre 1927 über ein eigenständiges Printmedium verfügte, welches als Vertrauter Falles, der sogenannte „kleine Otto Bauer“, Josef Polipnig, redaktionell bearbeitete und im Auftrag der SDAP Kärnten herausbrachte.

Nach dem 12. Februar 1934 versuchte Anton Falle als Revolutionärer Sozialist den Widerstand gegen die austrofaschistische Systemregierung zu organisieren. Er wurde verhaftet, angeklagt und 1935 zu einem Jahr schweren Kerkers verurteilt. Falles Gesundheitszustand hat in dieser Zeit schwer gelitten. Er selbst schrieb aus dem Villacher Bezirksgefängnis an seine Frau im Mai 1935, er habe sich „gestern (…) viele Stunden auf dem Strohsack (gewälzt), bis die dem Wahnsinn nahe innere Spannung mit ihren Nervenschmerzen durch einen Schweißausbruch gemildert wurde. Schlimm ist es, dass ich mich nicht überziehen konnte, nachdem ich geschwitzt habe.“ Aber es sollte noch schlimmer kommen. Anton Falle, der als politischer Agitator über viele Jahre vor der nationalsozialistischen Gefahr gewarnt hatte, erlebte mit seiner Familie und seinen vielen Freunden die Angliederung Österreichs an das Deutsche Reich im Jahre 1938. Obwohl er sich jeder politischen oder sichtbaren oppositionellen Tätigkeit enthielt, wurde er mit zahlreichen anderen Kärntnern im Jahre 1944 in das Konzentrationslager Dachau eingewiesen.

Die GESTAPO hatte Anton Falle seit langem beobachtet und seinen ungebrochenen Einfluss auf sozialdemokratische Parteigänger festgestellt, den er trotz aller Zurückgezogenheit im kleinen Kreis auszuüben vermochte. Seine Botschaft lautete so: „Wir sind geistig geknebelt, niedergeschlagen, wir können nicht reden, nicht schreiben, wie wir es gerne möchten, wir dürfen uns nicht versammeln, sind von Spionen und Denunzianten umgeben, aber dennoch, wir wollen eines tun und das ist: Unserer Überzeugung treu bleiben. Treu bleiben unserer Idee, treu bleiben unserer braven Arbeiterschaft, treu bleiben unserer Demokratie und treu bleiben dem Sozialismus!“

Der nun bereits 58jährige Falle befand sich nunmehr schon schwer gezeichnet zu Weihnachten 1944 in einem der berüchtigtsten Konzentrationslager des Nazi-Regimes, in dem während der vergangenen Jahre die gesamte politische Opposition der Militärdiktatur ausgelöscht worden war. Sein mit gefangener Parteifreund Hans Lagger schilderte nach der Befreiung die Verhältnisse, welchen sie ausgesetzt waren, folgend: „…Hungerödeme traten in vielen Fällen ein, die Gesichtsfarbe wurde blass und blässer, die Zähne begannen zu wackeln, die Augenhöhlen bekamen dunkle Ringe, die Häftlinge saßen schwach und geknickt auf Steinen und Stühlen herum, immer näher dem Ofen oder der Sonne zu, bis sie willenlos zur Beute einer stets herrschenden Seuche wurden…“

Die Absicht des Kärntner Gauleiters Rainer erfassend durchlebten die Kärntner Sozialdemokraten mit ihrem Landesvertrauensmann Anton Falle traumatische Monate. Bis zum Schluss seiner Amtstätigkeit versuchte der politische NS-Befehlshaber ihres Heimatlandes grausame Rache und Verfolgung bis in den Tod zu üben. Binnen eines Jahres sollten alle in Dachau verbliebenen Funktionshäftlinge den Lagertod erleiden. Dennoch blieb Falle, den nahen Tod vor Augen, zukunftsgerichtet und versöhnlich. In seinem letzten Brief, den er an seinen gleichnamigen Sohn richtete, schrieb er: „Helfet einer dem Anderen. Von Herzen wünsche und hoffe ich, daß Du, Peppi, Mama und Frieda aus dem Krieg heil herauskommt und gemeinsam die Schwierigkeiten des Lebens meistert. Gott beschütze und behüte Euch und unsere heilige Kärntner Heimat. (…) Hoffen wir, daß es das letzte Kriegsjahr sein wird. Herzliche Grüße von Deinem Vater.“

Am 15. Jänner 1945 ist Anton Falle im Konzentrationslager Dachau nach einem monatelangen qualvollen Martyrium zugrunde gegangen. Die Lagerleitung teilte der Familie mit, dass er an den Folgen von Emphysem pulmonum (Lungenemphysem) gestorben sei.

 

Quellen:

Lagger Hans: Die Wahrheit über Dachau. Klagenfurt 1946. Dinklage Karl: Geschichte der Kärntner Arbeiterschaft. Bd. II. Klagenfurt 1982. Verein Erinnern Villach (Mag. Hans Haider). Parlament der Republik Österreich. Archiv der Kärntner Arbeiterbewegung.

 

 

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