Opfer des NS Regimes

Anna Donnersbacher

geboren im Jahre 1908 in Ledenitzen/Ledince

gestorben am 1. September 1942 im Gaukrankenhaus Klagenfurt/Celovec

wohnhaft in Ledenitzen/Ledince

 

Die Hausgehilfin Anna Donnersbacher wurde am 11. November 1938 in die psychiatrische Abteilung des Gaukrankenhauses Klagenfurt eingewiesen. Bei den anschließenden Untersuchungen diagnostizierten die Ärzte Schizophrenie. Am 1. September 1942 wurde sie von der Krankenschwester Maria Cholawa ermordet. Anna Donnersbacher ist ein Opfer der „dezentralen NS-Euthanasie“.

Bei der Gerichtsverhandlung zu den Euthanasiemorden im Jahre 1946 gestand Maria Cholowa , dass sie Anna Donnersbacher eine Überdosis Morphium, Modiskop oder Somnifen in den Oberschenkel injizierte. Außerdem gestand sie: „Ich kann mich an 30 Patienten erinnern, die ich auf diese Weise getötet habe. […]Ich erinnere mich auch auf die Anna Donnersbacher“.

 

Quellen:

"Die namentlich erfassten Opfer der NS-Euthanasiemorde in und aus Kärnten" - Auszug aus dem Namensarchiv der Plattform der NS-Opferverbände in Kärnten. Bearbeitung und Konzept: Mag. phil. Helge Stromberger. Erhebungsstand: Jänner 2012, maschinenschriftlich. Einsehbar: beim Kärntner Landesarchiv oder beim Autor.

 

Dezentrale NS-Euthanasie und T4-Aktion

 

Die Nationalsozialisten bereiteten die Tötung von geisteskranken Menschen und anderen ihnen „unerwünschten Elementen“ systematisch vor. Schon 1935 deutete Hitler auf dem Reichsparteitag in Nürnberg gegenüber Reichsärzteführer Wagner an, dass er beabsichtige die „unheilbar Geisteskranken zu beseitigen“. Er verwendete genau dieses Verb. Am 18. August 1939 erging ein Runderlass, demzufolge dem Reichsausschuss zur wissenschaftlichen Erfassung von erb- und anlagebedingten schweren Leiden jedes „missgestaltete Neugeborene“ zu melden war. Dies galt rückwirkend auch für Kinder bis zu drei Jahren. Die Verpflichtung betraf Ärzte und Hebammen.

 

Die Euthanasie in Deutschland begann gleich nach Kriegsbeginn mit der Tötung von geisteskranken Kindern. Zur Tötung wurde das Medikament Luminal in großen Dosen verabreicht. Es wurden zwar ärztliche Gutachten erstellt, die diesen Namen jedoch nicht verdienten: Die Gutachter bekamen die Kinder nicht einmal zu Gesicht. Der Leiter der Anstalt Eglfing-Haar „bearbeitete“ beispielsweise 2000 Meldebögen neben seiner normalen Arbeit binnen 3 Wochen.

 

Benannt wurde die Aktion nach ihrer Zentrale in Berlin, Tiergartenstraße 4, als „T-4 Aktion“. Die Tötungen fanden in abseits gelegenen Anstalten statt. (Bernburg, Brandenburg, Grafenek, Hadamar, Hartheim, Sonnenstein) In Österreich gab es eine Anstalt in Hartheim bei Linz. Ab Anfang 1940 erfolgte die massenhafte Ermordung, nach „Probevergasungen“ in den annektierten polnischen Gebieten, in Gaskammern. Verwendet wurde Kohlenmonoxyd, das in Stahlflaschen angeliefert wurde. Getötet wurden nicht nur Geisteskranke, sondern auch Patienten mit chronischen Krankheiten.

 

Einzelne evangelische Bischöfe, wie der würtenbergische Landesbischof Theophil Wurm, protestierten im Juli 1940. Die Proteste nahmen zu, vor allem seitens der Justiz und der Kirchen. Erste Einsprüche richteten katholische Bischöfe direkt an die Reichskanzlei.

Nach diesen kirchlichen Protesten wurde die „T-4 Aktion“  im August 1941 offiziell gestoppt. Die Euthanasie wurde jedoch insgeheim fortgesetzt, d.h. die Tötungen wurden nun dezentral, jedoch bestens organisiert, durchgeführt.

 

Die „T-4 Aktion“ ist heute ziemlich gut erforscht. Ihr fielen ihr mehr als 70 000 Menschen zum Opfer, der späteren dezentralen Euthanasie weitere 50 000 Menschen.

 

In Kärnten sind der „T-4 Aktion“ ungefähr 600 Menschen zum Opfer gefallen und der späteren dezentralen Euthanasie ungefähr 800 Menschen.

 

Quelle: Enzyklopädie des Nationalsozialismus, Wolfgang Benz, Hermann Graml, Hermann Weiß, DTV 1998, ISBN: 3-423-33007-4

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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