Opfer des NS Regimes

Foto: Archiv Verein Erinnern, Villach

 

Heinrich Brunner

 

geboren am 26. April 1915 in Oberwollanig bei Villach

hingerichtet am 23. Dezember 1944 in der NS Hinrichtungsstätte Landesgericht Graz

wohnhaft in Seebach bei Villach

 

Heinrich Brunner arbeitete nach der Schulzeit als Bauhilfsarbeiter und diente in den 1930er Jahren einige Zeit im österreichischen Heer. Er gehörte zunächst den ostmärkischen Sturmscharen an und trat nach dem „Anschluss“ 1938 der SA bei. Im Juli 1941 wurde er zur Wehrmacht eingezogen, wo er im Jägerregiment 734 am Balkan eingesetzt wurde.  Heinrich Brunner desertierte im September 1944 von der deutschen Wehrmacht und beteiligte sich in Villach am Aufbau der Treffner Partisanengruppe. Der Kern dieser Partisanengruppe bestand aus den beiden Wehrmachtsdeserteuren Erich Ranacher aus Lienz, Josef Ribitsch aus Ferlach und den entflohenen russischen Zwangsarbeitern Wasil Gollobin, Michael Kassulin und Juan Sirokin. Im Spätsommer 1944 wurden sie von der Villacher Widerstandsgruppe rund um Maria Peskoller in die Wälder des Gegendtales geschleust, wo sie in selbstgebauten Bunkern lebten. Die zentrale Versorgungsbasis, die sie mit Nachrichten, Verbandsmaterial und auch Lebensmitteln unterstützte, bildete die Villacher Widerstandsgruppe, zu der neben Maria Peskoller auch Rosa Eberhard aus Villach, Margarete Jessernigg aus Villach, Valentin Clementin aus Seebach bei Villach, Milan Jelič aus St. Ruprecht bei Villach und Maria Jennes aus Kellerberg zählten. Wie aus der Gendarmeriechronik von Afritz hervorgeht, zeigten die Aktionen der Treffner Partisanen durchaus Wirkung. Zitat: „Ab 30. 10. musste das Elektrizitätswerk Arriach-Klamm wegen Bandentätigkeit im Postenbereich Treffen durch Landwachtmänner zur Nachtzeit ständig bewacht werden. […] Am 4. 11. nach 18 Uhr haben 9 bewaffnete Banditen in Verditz Nr. 15 Lebensmittel geraubt. Auf das hin wurde der Posten um 3 Gendarmen verstärkt und musste durch Tage hindurch Lauerstellung in den Ortschaften Verditz und Schattenberg unter Heranziehung der Landwacht zur Nachtzeit bezogen werden, bis die Treffnerbande festgenommen wurde. “ (zitiert nach Lisa Rettl in www.wildeminze.at)

Im November 1944 ist die Gruppe aufgeflogen und es gelang  der Gestapo fast alle Mitglieder der Gruppe festzunehmen. Heinrich Brunner versuchte gemeinsam mit Erich Ranacher und Josef Ribitsch nach Lienz, der Heimatstadt von Ranacher, zu entkommen. Alle drei wurden am 14. November 1944 in Steinfeld im Drautal verhaftet und in die Gestapohaft nach Klagenfurt eingeliefert. Der Prozess gegen die Treffner PartisanInnen fand am 17. und 18. Dezember 1944 in Klagenfurt, unter dem Vorsitz von Roland Freisler statt. Heinrich Brunner und sieben weitere Mitglieder der Gruppe wurden zum Tode verurteilt und fünf Tage später in Graz hingerichtet. Die Ermordeten wurden am Grazer Zentralfriedhof verscharrt. Die Grabstelle der Hingerichteten konnte nie eruiert werden.

 

Quellen und weiterführende Literatur :

DÖW 1936. Heimo Halbrainer, „Sei nicht böse, dass ich im Kerker sterben muss“, Die Opfer der NS-Justiz in Graz 1938 bis 1945, Ein Gedenkbuch, CLIO Graz 2014. August Walzl, Gegen den Nationalsozialismus S.251, Verlag Carinthia, Klagenfurt 1994. Max Muchitsch, Die Rote Stafette S. 164, 165, 167, 168, 169, Globus Verlag, Wien 1985. Andrea Lauritsch, Alpe adria 5/94. Gedenktafel auf dem Volkshaus in Landskron. Lisa Rettl, Jenny Gand,  Wilde Minze, ein Dokumentarfilm, www.wildeminze.at. KLA LG Strafakten / Sch 257, Vr 2831/46.

 

 

 

 

 

 

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