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 DER BUNKER UNTER DER ARICHWAND

 

Acht junge Frauen und Männer aus der Oberkrain/Gorenjska  sind am 9. Februar 1945 in den Karawanken unter dem Mittagskogel im Kampf gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft gefallen. Um Angst und Schrecken zu verbreiten, stellten die Nazis die Leichname der gefallenen Partisanen an der Straße zwischen St. Jakob und St. Peter im Rosental eine Woche lang aus. Anschließend wurden sie bei der Drau eingegraben. Nach dem Krieg wurden sie exhumiert und auf dem Friedhof in St. Jakob ehrenvoll begraben. Ein steinerner Obelisk mit den eingravierten Namen erinnert daran. Die Inschrift in beiden Landessprachen lautet: „Partisanen gefallen im Kampf gegen den Faschismus“. Bogdan Mohor, der sich als 16-jähriger Gymnasiast im Jahre 1941 den Partisanen anschloss, gelang damals die Flucht. Im Jahre 2007 wurden seine Erinnerungen veröffentlicht. Hier ein gekürzter Auszug.

 

Herbst 1944 – Ein Bunker wird gebaut

Hoch über dem Rosental thront der Mittagskogel mit seinem Türkenkopf. Darunter liegt die Rossalm, die an ihrem nordöstlichen Teil stark abfällt – der abfallende Felsen heißt Arichwand. Hier, unter dieser Wand, richteten wir in Erwartung des nahenden Winters einen Erdbunker ein. Die Höhle hieß fortan „Bunker unter der Arichwand“. Seine Lage entsprach unserem Arbeitsvorhaben. Er war nicht zu hoch im Berg gelegen, so dass die Aktivisten problemlos in die Dörfer gelangen konnten, und nicht zu tief im Tal, so dass wir nicht unter der ständigen Angst vor einer zufälligen Entdeckung leben mussten. Er lag außerdem in einem schwer zugänglichen Gebiet, nicht weit vom Pfad entfernt, der St. Jakob mit Schlatten, beim Partisanenhaus Poljanec vorbei, verband und sich in einer recht gleichmäßigen Höhenlage bis Kopein über dem Faakersee erstreckte.

Von unserem Pfad aus zweigte über dem Bunker ein Bergpfad ab, der auf die Rossalm und weiter tief in die Karawanken hinein führte. Dort verlief die Kuriertransversale. Keiner von uns, die wir damals in diese Orte kamen, kannte sich in der Gegend aus. Deshalb waren wir in den ersten Tagen und bei den ersten Schritten, die wir unternahmen, gänzlich von unserer eigenen Erfindungsgabe abhängig. Zu unserem großen Glück stießen wir gleich bei unserer Ankunft auf Kärntner Slowenen, die uns unterstützten.

Von den Mitarbeitern der ersten Stunde muss ich zumindest Poljanec und Šrovc mit dem Decknamen  Kozo erwähnen. Von ihnen bekamen wir die ersten Informationen über die Lage des Bunkers und die notwendige Ausstattung: Krampen, Schaufel, Säge und Ähnliches. Am Bau des Bunkers waren wir alle beteiligt. Wenn ich mich richtig erinnere, waren für diesen Ort sechs oder sieben Mitglieder nominiert. Die Erde war gefroren. Die Fichten fällten wir ziemlich weit weg vom Bunker entfernt, schnitten sie ganz knapp über den Boden, und bedeckten sie dann mit Erde und Moos. Ich erinnere mich nicht mehr, wo wir die Bretter für das Dach herbekamen, das wir mit Fichtenzweigen, Moos, Erde und Laub bedeckten. Schließlich stellten wir noch kleine Fichten aufs Dach, so dass sich der Bunker nicht von der Umgebung abhob. Auf der Seite des steil abfallenden Hanges bauten wir eine kleinere Tür ein, und versahen die Wand mit langgezogenen Fenstern. Den Rest der Fenster bedeckten wir bis auf die Scheiben mit Erde, Moos und Laub. Nicht weit vom Bunker wand sich ein Bächlein – unsere Trinkwasserquelle. Östlich vom Bunker lagen große Felsen, einst Bestandteile der Arichwand. Zwischen diesen war unsere Toilette versteckt. Über allem erhob sich die mächtige Arichwand.

 

Wintereinbruch

 Noch ehe der Bunker fertiggestellt war, überraschte uns der Schnee. Nun ergab sich das Problem die Schneespuren zu beseitigen. Das lösten wir, indem wir die neu entstandenen Spuren wieder mit Schnee füllten und sie mit Zweigen ebneten. Den Pfad von St. Jakob beim Poljanec vorbei bis Kopein durchstapften wir bei jedem Neuschnee, so dass die Spuren von einem Dorf zum anderen führten.  Der Anschlusspfad von unserem Bunker zu diesem befand sich unter dichtem Fichtengehölz, und auch dort versuchten wir möglichst gründlich jede Spur zu löschen.

Westlich von uns befand sich irgendwo bei Ledenitzen das nächste Partisanen-Zentrum mit Rok, (Franc Bogataj) es folgte ein weiteres mit Breda. (Franja Markelj). Noch weiter bei Mallestig gab es eines mit Andrea (Emilija Kmet) und Vrhan. Bei Arnoldstein existierte der Partisanen-Posten mit Duro Dvoržak und Jože Košir. Dort, weit im Westen, waren neben diesen beiden noch andere tätig, unter anderem Janez. (Janez Drolc). Das war der am weitesten im Westen gelegene Teil unserer Partisanenorganisation – unter dem Dobratsch - inmitten des sogenannten „Steinernen Meeres“. Östlich von unserem Bunker befand sich als nächster Stützpunkt jener auf dem Rabenberg nahe Ferlach. Mit all diesen Zentren standen wir in ständiger Verbindung. Einige ihrer Aktivisten machten auch immer wieder Halt bei uns.

 

Lebensmittelbeschaffungsaktion

Während einer unserer Lebensmittelbeschaffungsaktionen, als wir ein Schwein abholten, das von einem Bauern fürs Reich gemästet wurde, gerieten wir bei der Rückkehr außerhalb von Schlatten in einen Hinterhalt. Unvermittelt krachten Schüsse vor uns. In der Ebene und in der mondhellen Nacht gaben wir ein ideales Ziel ab. Wir waren zu fünft oder zu sechst und mit schweren Stücken vom Schwein beladen. An der Spitze der Kolonne befand sich Dolgi Janez, ich war unmittelbar hinter ihm. Bei den ersten Schüssen warfen wir uns zu Boden, nur Janez feuerte gleich aus dem Stand mit seiner Maschinenpistole in Richtung der feindlichen Angreifer. Die stellten darauf das Feuer sofort ein. So schnell wie möglich rannten wir über die Ebene zum Hang, wo der Wald begann. Beim Laufen holte ich den ersten vor mir ein. Er sagte seine Hand sei verletzt, doch bis zum Wald würde er es schon aushalten. Der zweite, den ich einholte, hatte eine Schusswunde am Bein, versicherte aber, dass er es bis zum Wald schaffen würde. Der Dritte behauptete, er wäre ins Kreuz getroffen worden und könne kaum noch gehen. Ich redete ihm ein, dass es nicht so schlimm sein könne, denn wäre er wirklich ins Kreuz getroffen worden, könnte er überhaupt nicht mehr gehen. Dann hatten wir endlich den Waldrand erreicht; der mit der Wunde am Bein hatte es gerade noch geschafft, konnte aber nicht mehr weiter. Der mit der Handverletzung war glücklicherweise nur in den Handteller getroffen worden und konnte alle Finger bewegen. Der dritte mit dem angeblichen Kreuzschuss hingegen stöhnte, er könne nicht gehen und schon gar nicht den Rucksack tragen. Wir glaubten ihm nicht, denn wäre er wirklich ins Kreuz getroffen worden, hätte er es nicht bis hierher geschafft; deshalb möge er vorerst die Zähne zusammenbeißen, und außerdem soll er uns seine Verletzung zeigen. Er machte den Gürtel auf, ließ die Hose bis auf die Knie herunter und hielt seinen Hintern in das Licht des Vollmondes. Am unteren Rücken war wirklich ein kleiner roter Fleck zu sehen. Sofort stellten wir fachmännisch fest, dass es sich lediglich um eine Schramme handeln müsse, nicht jedoch um einen Schuss ins Kreuz. Also hätte ihn die Kugel nur gestreift. Trotzdem blieb er dabei keinen Rucksack tragen zu können, und wir befreiten ihn von dieser Last.  Das Gewicht zweier zusätzlicher Lasten teilten wir untereinander auf, und auch den Genossen mit der Fußwunde trugen wir durch den Schnee, in den wir bis zu den Knien einsanken. Alle paar Meter blieben wir stehen wechselten uns beim Tragen ab. Unter uns befand sich auch Dragec, ein Medizinstudent im zweiten Jahr; nach unserer Ankunft im Bunker säuberte und verband er die Wunden. Dem Genossen mit dem „Streifschuss“ wurde nach dem Krieg im Krankenhaus in Ljubljana eine Kugel aus dem Kreuz entfernt.

Dolgi Janez machte sich danach auf den Weg ins Gailtal unter den Dobratsch, zu unserem westlichsten Stützpunkt. Ich traf ihn noch einmal, und zwar bereits nach dem Überfall auf unseren Bunker, auf der Golica, wo wir zu einer Besprechung zusammenkamen. Als ich ihn erblickte war ich erschüttert: der einst so kräftige Mann aus dem hügeligen Küstenland stand nun vor mir als physisch verfallener Mann. Er war nicht mehr in der Lage den Weg fortzusetzen. Also blieb er gemeinsam mit einem Jugendaktivisten beim Kurierstützpunkt auf der Golica. Einige Tage später wurden sie von den Deutschen entdeckt. Der junge Aktivist fiel und Janez wurde verletzt. Um nicht in Gefangenschaft zu geraten, erschoss er sich selbst mit seiner Pistole. Wenngleich er sich ein Denkmal auf Kärntner Boden verdient hätte, fand er bei Sveti Križ über Jesenice seine letzte Ruhestätte, unter dem Berg, wo er zum letzten Mal zur Waffe griff.

 

Große Schneemassen – eingeschränkte Bewegungsmöglichkeit

Der Winter 1944/45 war selbst für Einheimische äußerst streng, sowohl wegen der Schneemassen als auch wegen der bitteren Kälte. Das bedeutete natürlich zusätzliche Probleme für das Netz der Befreiungsfront. Unsere Bewegungsmöglichkeiten waren dadurch noch mehr eingeschränkt und die Verbindungen zu unseren Vertrauenspersonen wurden erschwert. Die nazistische Obrigkeit in Kärnten unternahm vor dem sich abzeichnenden Kriegsende und dem damit verbundenen Machtverlust alles, um die Partisanenbewegung in Kärnten zu vernichten. Immer wieder durchkämmten sowohl Polizei- als auch Militäreinheiten die Karawanken. Unser Bunker wurde Zufluchtsort für Aktivistinnen und Aktivisten jener Außenstellen, die entdeckt und angegriffen worden sind. Bald befanden sich so viele Menschen im Bunker, dass die eine Hälfte auf den provisorischen Bettkojen sitzen musste, damit die andere Hälfte auf der Bank oder auf den Holzklötzen Platz hatte.

Wir verfügten über einen kleinen Herd aus Blech, für den Mira Žugič verantwortlich war. Sie stammte aus der Umgebung von Ljubljana. Beim Überfall auf den Bunker unter der Arich-Wand kam auch sie, beim Versuch die Umzingelung zu durchbrechen, ums Leben. In unserer Mitte war auch die immer gut gelaunte Breda Markelj. Sie erzählte uns, wie sie eines Tages allein durch den Schnee Richtung Latschach zu einem Treffen bei Villach unterwegs war, als sie von einem SS-Mann eingeholt wurde, der sie zu umwerben begann. Im Dorf konnte sie ihn erst loswerden, als sie ihm versprach, zu einer bestimmten Stunde am nächsten Abend bei der Kirche auf ihn warten zu wollen. Natürlich wartete er vergebens. Auch die ernste Andreja Kmet, Sekretärin des Villacher Komitees, fand bei uns Unterschlupf, nachdem ihr Bunker von den Deutschen ausgehoben worden war. Weiters befand sich im Bunker die stille und bescheidene Aktivistin Cirila aus Ljubljana. Alle vier sind beim Überfall auf den Bunker gefallen. Außerdem gab es noch den Chemieingenieur Milan Primožič, der schon seit dem Bau des Bunkers dabei war, und den jungen Medizinstudenten Dragec. Milan stammte aus St. Jakob im Rosental und Dragec aus Slovenj Gradec. Mitten im Winter gesellten sich noch Einheimische aus Rosenbach zu uns: Cankar und Švali. Weiters hielt sich auch ein Kurier bei uns auf. Sein Name war Papež, daher nannten wir ihn ab und zu Heiliger Vater.

Ein Großteil unserer Verbindungen mit den Einheimischen konnte wegen des strengen Winters und der beschriebenen Situation nur mehr von uns dreien, d. h. von Dragec, Milan und mir, aufrechterhalten werden. Jeder Gang ins Tal und zurück war ein Kraftakt für sich. Im Tiefschnee und in der eisigen Kälte war der Marsch allein schon extrem anstrengend und gefährlich. Darüber hinaus waren wir aber auch sehr schlecht ausgerüstet. Ich trug den ganzen Winter über einen deutschen Sommer-Militärrock. Darunter Hemd und Pullover und eine Schihose. Das Schuhwerk war schlecht und hielt der Feuchtigkeit nicht stand. Auch meine beiden Genossen waren nicht viel besser ausgerüstet.

Mit der Zunahme der Zahl an Bunkergenossen von ursprünglich sechs auf fünfzehn Personen erhöhte sich natürlich auch der Nahrungsbedarf. Aus dieser Verlegenheit befreiten uns die Schweine, vor allem diejenigen Reichsschweine, die von den Bauern für den Staat gemästet werden mussten, manchmal aber auch solche, die von den Nazis gemästet wurden, bei denen wir Requirierungen vornahmen.

 

Allein zwischen den Scheemassen

Die Umklammerung wurde immer enger. Alle Posten waren versprengt, nur einer, der unter dem Dobratsch, konnte sich noch halten. Dort waren Dolgi Janez, Ɖuro und einige andere. Wir erhöhten unsere Sorgfalt bei der Spurenbeseitigung, kochten nur noch in der Dämmerung und heizten Nachts mit Reisig, damit es möglichst wenig Rauch gab. Tagsüber stellten wir Wachen auf, kommunizierten im Flüsterton, nur an den Abenden sangen wir am warmen Herd ganz leise das eine oder andere Partisanenlied.  Das erfüllte uns jedes Mal mit neuem Mut und gab uns den Glauben für den nächsten Tag. Es fiel uns auf, dass die Hinterhalte der Polizei und der Volkssturmgruppen entlang der Wege, die nach St. Jakob oder Kopein führten, immer dichter wurden. Unsere Verbindung zu den Kurierlinien war schon längere Zeit unterbrochen. Die Wetterverhältnisse in den Karawanken – meterhoher Schnee, Lawinen und ständiger Schneefall – verunmöglichten jede reguläre Kuriertätigkeit. Dennoch versuchten wir – wenn auch oft vergebens – immer wieder den Weg zur Meldestelle auf der zentralen Kurierlinie freizubekommen. Wir waren mehr oder weniger allein zwischen den Schneemassen.

 

Überfall – Hinterhalt - Flucht

Anfang Februar stellten wir einen Wachposten auf, der den Weg zum Poljanec im Auge behalten sollte, und beschlossen uns für den sofortigen Abmarsch bereitzuhalten. So geschah es auch. Als Milan, Dragec und ich nach einem Rundgang wieder zum Bunker zurückkehrten, erwarteten uns zwei unserer Kundschafter und teilten uns mit, dass der Wachposten eine Kolonne von Deutschen auf dem Weg zum Bunker entdeckt habe. Alle außer den beiden Kundschaftern waren bereits weg vom Bunker und auf den Weg ins Tal Richtung Ledenitzen. Wir folgten also ihrer Spur. Tief unter dem Bunker endete der Wald. Dahinter erstreckte sich eine weitläufige und ziemlich flache Lichtung.  Als die Kolonne die Lichtung erreicht hatte, nahm sie gleich den Weg querfeldein. Sie befand sich schon fast am anderen Ende, als wir drei gerade erst aus dem Wald traten. Da krachte es los. Die Schüsse und Maschinengewehrsalven hörten sich an wie ein einziger Donner.  Die Genossen in der Kolonne hatten keine Möglichkeit zu entkommen. Alle kamen um oder wurden verwundet. Im ersten Schock hetzten wir drei zurück in den schütteren Wald. Wir schlugen jene Richtung ein aus der wir keine Schüsse hörten. Unter einer riesigen Fichte fiel ich zwischen ihre Wurzeln in ein riesiges Loch, das von Schnee bedeckt gewesen war. Ich konnte weder vor noch zurück und war unfähig mich zu befreien. Mit aller Kraft kämpfte ich gegen das Wurzelwerk an. In diesem Augenblick stießen auch Milan und Dragec zu mir. Sie halfen mir aus der wurzelverstrebten Schneehöhle und wir machten uns auf den Weg Richtung Schlatten. So gelangten wir zu einem schneebedeckten Bachbett. Das Ufer rechts und links war sehr steil. Ich ging voran, versuchte nach oben zu gelangen, doch konnte ich angesichts der Schneemassen das Bachbett nicht überwinden. Die Genossen halfen mir aus dem Graben. Als ich mich aufrichtete und einige Schritte nach vorne trat, erblickte ich unweit vor mir, hinter einer Fichte, einen deutschen Soldaten mit einem Gewehr in der Hand. Ich brachte meine Maschinenpistole in Anschlag, drückte ab und … nichts, überhaupt nichts! So standen wir einige Augenblicke da und sahen uns an. Er mit dem Gewehr, ich mit der Maschinenpistole. In diesem Moment schlossen Milan und Dragec zu mir auf. Ich wies auf den Soldaten: „Hinter der Fichte ist ein Deutscher mit einem Gewehr, doch er schießt nicht“. Ohne ihn aus den Augen zu lassen, machten wir einen Bogen um ihn. Erst in einiger Entfernung von Ihm machten wir Halt und untersuchten unsere Waffen. Meine Maschinenpistole war komplett verstopft, und der Abzug rührte sich um keinen Millimeter. Mit den Waffen meiner Genossen sah es genauso aus. Also reinigten wir sie. Vorsichtig machten wir uns weiter auf den Weg zur Bahnstrecke Rosenbach – Villach. Knapp vor den Geleisen gelangten wir auf einen, von deutschen Stiefeln, wie wir sofort an den vielen Abdrücken der Beschläge erkennen konnten, gut ausgetretenen Pfad. Vorsichtig setzten wir unseren Weg fort. Weit über uns war noch immer das Krachen im Umkreis unseres Bunkers zu hören. So kamen wir am späten Nachmittag zu einem jungen, dichten Fichtenwald. Dort warteten wir die Nacht ab, um entlang der Bahnschienen zu unserem Vertrauensmann Kozo zu gelangen.

Kozo war unterdessen in St. Jakob gewesen, wo die Nazis ihren Sieg feierten. So erfuhren wir, wen sie gefangen genommen hatten und wen sie getötet hatten. So bestürzt wir über das Schicksal unserer Genossinnen und Genossen waren, so entschlossen waren wir auch unsere begonnene Arbeit fortzusetzen. Schon in der darauf folgenden Nacht schloss sich uns Hanžek Janežič aus Lessach an. Er befand sich als deutscher Soldat auf Heimaturlaub. Gemeinsam zogen wir an Rosenbach vorbei und hoch hinauf in die Karawanken auf den Jekl. Dort befand sich auf Kärntner Seite eine Jagdhütte, in die wir uns einquartierten. Wir nahmen Kontakt zu den Partisanen aus der Gegend um Jesenice auf, und bekamen einige Lebensmittel zugeteilt. Dann machten wir uns auf den Weg über den Hochstuhl, die Klagenfurter Hütte, das Bodental, den Singerberg und den Rabenberg zum letzten Treffen der Kärntner Aktivisten vor Kriegsende…

 

Die Namen der acht gefallenen Partisanen:

Emilija Kmet aus Maribor mit dem Decknamen Andreja

Franja Markelj aus Maribor mit dem Decknamen Breda

Marija Živalič aus Škofja Loka mit dem Decknamen Mira

Cirila Kržišnik aus Ljubljana mit dem Decknamen Tona

Ivan Kordež aus Oberkrain mit dem Decknamen Ivan

Ivan Bohinjc aus Oberkrain mit dem Decknamen Džvon

Franc Bogataj aus Oberkrain mit dem Decknamen Rok

Rudi Hribernik

Quelle: Entnommen aus dem Buch „Luna – Die helle und die dunkle Seite des Mondes“ von Bodgan Mohor, Klagenfurt 2007 Drava-Verlag, Übersetzung von Mirko Messner.

Hans Haider September 2012

 

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