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Wehrmachtsdeserteure haben das richtige getan, Widerstand gegen den NS-Krieg geleistet und damit dazu beigetragen, dass die Republik Österreich entstehen konnte. Desertieren war richtig, sinnvoll und erfüllte den Zweck, die Niederlage NS-Deutschlands mitherbeizuführen.

Die Niederlage NS-Deutschlands war zwingend die Voraussetzung dafür, dass ein demokratischer Staat entstehen konnte. Damit wäre die Frage beantwortet: Ja – Widerstand war zwingend und zweckvoll, für jene, die ein Leben jenseits des Nationalsozialismus wollten. Nur hätte das nicht erst 2009, sondern schon in der ganzen Nachkriegszeit das Selbstverständnis einer demokratischen Republik sein sollen. War es nicht, ist es – vor allem auf populärer Ebene – immer noch nicht, wie das folgende Erlebnis zeigt.

 

Nationalfeiertag. Annabichl

Auf dem Heldenplatz, zehntausende Menschen rund um die Gerätschaften des Bundesheeres.

 

Ohne lang nachzudenken, wo genau dieser Gedenkraum ist, ging ich auf jene Stelle zu, wo Menschentrauben in das Innere des Burgtors und heraus strömten. Wer Österreich kennt, wird schon vermuten, dass es nicht der Gedächtnisraum für die Opfer im Kampfe für Österreichs Freiheit war, der so regen Zulauf genoss, es war die Kapelle, in dem den Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges gedacht wird. In großen goldenen Lettern steht dort zu lesen: „In Erfüllung ihres Auftrages liessen sie ihr Leben“. Auftrag der Wehrmachtssoldaten kurz gefasst: Errichtung eines rassistischen Nazi-Reichs in ganz Europa, Assistenzleistung beim Judenmord. Das steht natürlich nicht dort.

 

Neben allerhand Sakralem, den Insignien der katholischen Kirche, einer überlebensgroßen liegenden Soldatenfigur, Kerzen, Blumen, etc. fällt auf, dass sich Besucher und Besucherinnen vor allem für die Schaukästen interessieren, in denen die Gefallenenbücher jedes Bundeslandes liegen. Fein säuberlich sind hier die gefallenen Wehrmachtssoldaten für jedes einzelne Dorf in Österreich aufgelistet, in regelmäßigen Abständen werden die Seiten rituell umgeblättert. Die Leute interessieren sich dafür, weil sie jemanden zu erkennen hoffen und damit sich erkennen zu hoffen – jedenfalls drängen sie sich um diese Schaukästen, Militärseelsorger stehen ihnen für Fragen zur Verfügung.

 

Wo ist aber der Gedenkraum für die Opfer im Kampfe um Österreichs Freiheit? Auf der anderen Seite des Burgtors, wird mir erklärt. Dorthin gehend sehe ich schon, dass der Eingang verwaist ist. Einzelne gehen kurz hin und wenden sich wieder ab. Warum? Der Eingang ist vergittert. Man darf nicht in den Raum hineingehen. Meine Frage an einen Aufseher, der kurz im Inneren des Gedenkraumes auftaucht, warum? beantwortet er so: Hier gibt es nichts zu sehen, außer das was sie vom Gitter aus sehen: Also eine große Marmortafel mit der Aufschrift „Im Gedenken an die Opfer im Kampfe für Österreichs Freiheit“. Warum darf ich mich den hingerichteten Freiheitskämpfern nicht nähern, wie den gefallenen Wehrmachtssoldaten? Warum gibt es hier keine Namen, warum kann ich nicht nach r Anton Tuder suchen, nach r Hermann Pischelsberger oder r Rosalia Sovdat? Warum können sich die Menschen am 26. Oktober hier am Heldenplatz jenen nähern, die in der großen Mehrheit ungebrochen für Nazi-Deutschland gekämpft haben und jenen, die Hitler Widerstand geleistet haben, nicht? Der Raum für die Freiheitskämpfer werde vom Bundesheer nicht bewacht, bekomme ich zur Antwort. Warum aber wohl jener für die gefallenen Wehrmachtssoldaten? Die sind auch für Österreich gefallen, höre ich ihn sagen. Was? Keine weitere Diskussion, wir sind nicht zum Diskutieren da.

 

Ob Widerstand gegen den Nationalsozialismus zwecklos war, ist eine Frage, die ihre tiefere Bedeutung nicht bezogen auf die historische Zeit hat, in der er geschah, also sagen wir im Juni 1940 hier im Rosental, sondern die in der Gegenwart entschieden wird, die immer aktuell ist. Ob Widerstand zwecklos war, entscheidet sich im Umgang mit dem Erbe des Widerstands. Was meine ich damit? Widerstand gegen das NS-Regime verliert in der Gegenwart seinen Zweck und seinen Sinn, wenn die erkämpften Rechte, zum Beispiel das Recht auf slowenischsprachigen Unterricht, nicht dauerhaft eingelöst und in diesem Sinne weiterentwickelt werden, sondern – wie in den 1950er Jahren geschehen – tendentiell abgeschafft werden. Überhaupt verstärkten sich die Angriffe auf die Errungenschaften des Befreiungskampfes der Partisanen genau in dem Moment, als Österreich souverän wurde, die ehemaligen Nationalsozialisten also von der alliierten Leine gelassen wurden. Während des Nazismus war der Zweck des Widerstandes ein Leben jenseits des Nationalsozialismus zu ermöglichen, jenseits von Rassismus und Antisemitismus. Ob Widerstand zwecklos war, entschied sich nicht im Widerstandskampf gegen die Nazis, denn die Nazis konnten aufgrund des Mangels an innerem Widerstand letztlich nur durch die geballte Kraft der alliierten Armeen niedergerungen werden. Ob Widerstand zwecklos war, entscheidet sich immer in der jeweiligen Gegenwart, an unserem Denken und Tun, an unserem Bemühen, jeden Ansatz einer eliminatorischen Volksgemeinschaft entgegenzutreten, die österreichische Nachkriegsversöhnung mit den Nazis, die eine sekundäre Volksgemeinschaft mit einem neuerlichen Ausschluss des Slowenischen, des Widerstandes der Deserteure, mit einem Wiederaufleben des Antisemitismus begründet hat, unnachgiebig zu kritisieren, jegliche Ansprüche von postulierten oder angeblich primordialen Gemeinschaften an den Einzelnen zu hinterfragen. Auf den Punkt gebracht und zugespitzt: Widerstand heute ist zwingend, wenn der Widerstand gestern nicht zwecklos gewesen sein soll.

 

 

David Holzers Aussagen erinnern an das Buch des Kärntner slowenischen Deserteurs Lipej Kolenik über seinen Weg in den Widerstand: Für das Leben – gegen den Tod. Wer sich entschloss, die verordnete Volksgemeinschaft und ihre Armee zu verlassen, traf eine Entscheidung für das Leben und gegen den Tod. Jeder und jede, der sein Leben gegen den Nationalsozialismus setzte, fällte ein Urteil über den Nationalsozialismus, gegen seine Kriegs- und Vernichtungspolitik, gegen das Konzept der Volksgemeinschaft. Dies getan zu haben, diese Autonomie gegen die Volksgemeinschaft gesetzt zu haben, damit hat Lipej Kolenik durch sein Handeln einen bleibenden, nicht mehr zu hintergehenden Imperativ für alle Gesellschaft nach ihnen gesetzt, nämlich ähnliches wie den Nationalsozialismus oder auch nur Spuren davon nicht zu dulden, nicht aufkommen zu lassen. Das ist das Vermächtnis des Widerstandes, umsetzen und weiterentwickeln müssen wir es.

 

Lipej Kolenik hingegen konnte sich dem einzigen kollektiven, organisierten Widerstand, das heißt schutz- und wehrfähigen Widerstand innerhalb des Deutschen Reiches anschließen, den Kärntner Partisanen. Und damit kommen wir zu einer Form der Entwertung von Widerstand, einer Delegitimierung, die sich in Kärnten speziell, aber auch unter patriotisch gesinnten Historikern großer Beliebtheit erfreut – der Verweis darauf, dass die Partisanen zwar gegen die Nazis, aber – böse – für Jugoslawien gekämpft haben. Ja mit welcher Perspektive denn sonst? – möchte man dagegen halten.

 

Dieser oft mit auftrumpfender und moralischer Empörung vorgetragene Vorwurf ist ahistorisch und rein geschichtspolitisch motiviert, weil er die historische Gelegenheitsstruktur völlig unberücksichtigt lässt. Gab es eine Alternative? Wo war eine Widerstandsorganisation, die unter dem Banner Österreichs kämpfte? Es gab keine, abgesehen von den Österreichischen Bataillonen bei den Partisanen in Slowenien ab Dezember 1944. Und was waren die Erfahrungen der Kärntner SlowenInnen zwischen 1920 und 1945 mit den Österreichern, resp. Deutschen? Keine guten. Der Kampf mit der Perspektive Jugoslawien war – wenn wir in unserer Terminologie bleiben – aus den historischen Bedingungen heraus zwingend, und letztlich auch nicht zwecklos, weil die Minderheitenrechte als Ersatz für die territoriale Lösung errungen wurden. Spätestens ab 1955 wurde – wie bereits erwähnt – in Kärnten aber politisch alles dafür getan, den Widerstand im Nachhinein wieder zwecklos zu machen, seine Errungenschaften abzuschaffen. Dagegen wiederum half nur Widerstand. Ich halte es jedenfalls für eine geradezu nationalistische Anmaßung, wenn austriakische Historiker Kärntner Partisanen damit kommen, dass sie nicht für Österreich gekämpft hätten.

 

Ein zweites eigentümliches Phänomen hinsichtlich der Bewertung des Widerstandes ließ sich in Kärnten in den vergangenen Jahren beobachten, nämlich eine groteske Heroisierung des Widerstands der letzten Minute, als es in den ersten Maitagen darum ging, den Alliierten eine halbwegs akzeptable politische Elite vorzustellen.

Ich will jetzt gar nicht darauf eingehen, dass diese zum Teil aus NS-Funktionären bestehende Gruppe das mindeste nicht tat, nämlich NS-Verbrecher wie Rainer, Globocnik, Lerch und andere festzunehmen, und den Briten zu übergeben oder Jugoslawien, Italien, Polen, wo sie ihre Mordwerk begangen hatten. Worum es mir geht ist, dass dem Lob des späten elitären, patriotischen, antislowenischen Widerstandes, das 2005 sogar Jörg Haider gesungen hat, eine jahrzehntelange Missachtung, Verachtung und Verunglimpfung des frühen und laufenden Widerstands der kleinen Leute und der Einzelnen gegenübersteht. Dahinter steht eine gewisse politische Auffassung, wonach Herrschaft ebenso wie Opposition ein ausschließliches Recht der Eliten sei; zugleich enthält diese Sicht ein Ressentiment gegen den Widerstand der einfachen Leute, der als unpolitisch, kriminell, unwichtigt, wertlos, zwecklos abgetan wird.

 

 

 

 

Peter Pirker schreibt: ...."zugleich enthält diese Sicht ein Ressentiment gegen den Widerstand der einfachen Leute, der als unpolitisch, kriminell, unwichtigt, wertlos, zwecklos abgetan wird".

 

Tatsache aber ist, dass der eigentliche Widerstand in Kärnten von "einfachen Leuten" durchgeführt wurde. Die "Studierten und Gebildteten fehlten". Das gereicht ihnen zur Schande.

 

Dazu schreibt Peter Handke in seinem neuesten Buch "Immer noch Sturm":

...Hierzulande fanden im Herbst und im Winter und im folgenden Jahr jedenfalls die einzigen Schlachten innerhalb der Grenzen des Tausendjährigen Reichs gegen selbiges statt. Befehligt wurde die Widerstandsarmee ausschließlich von ehemaligen Holzfällern, Bauernburschen, Sägewerksarbeitern, Müllergesellen. Irrtum wiederrum, anzuznehmen, unter den Anführern seien einheimische Studierte, Lehrer, Anwälte, Ärzte gewesen. Höchtens ein paar Priester..... Die Angehörigen der, wie sagt man, einheimischen Oberschicht, die, wie sagt man, Gebildeten, fehlten all die Zeit des großen und einzigen Widerstands hierzuland, und sie fehlten bis zuletzt. Ihr Fehlen war den Bauernburschen nicht etwa recht, es wurde von ihnen beklagt, wieder und wieder, wenn sie, untereinander sprachlos, nicht mehr weiterwußten. "Unsere Studierten wo sind sie? Das Volk, es kann unsere Worte kaum erwarten. Aber wir, was haben wir zu sagen? Den Herren liegt nichts an unseren Menschen. Unsere Gelehrten, die schonen sich für bessere Zeiten. Aber wir und das Volk, wir brauchen sie, als Sprecher, als Ausweg. Es genügt nicht, Waffen zu laden, Holz nachzulegen und Kaffee zu kochen. Gemäß dem Spruch, daß die einen das Vieh versorgen, und die anderen die Wörter, und daß beide zusammen das Haus und den Hof versorgen..."

 

 

 

Vor 65 Jahren, am 6. April 1941, überfielen deutsche, italienische, ungarische und bulgarische Truppen Jugoslawien. Ohne vorherige Kriegserklärung wurde Belgrad von der Luftflotte 4, befehligt von Generaloberst Alexander Löhr, einem Österreicher, schwerstens bombardiert. Es war ein Blitzkrieg: Am 8. April marschierten die ersten Einheiten der Wehrmacht unter dem stürmischen Jubel der deutschen Bevölkerung in Marburg/Maribor ein und zehn Tage später wurde in Belgrad die Kapitulation unterzeichnet. Trotzdem entwickelte sich der Balkan zu einem der blutigsten Kriegsschauplätze des Zweiten Weltkrieges, währenddessen die deutsche Minderheit, politisch und militärisch von den Nationalsozialisten instrumentalisiert, beinahe vollständig unterging.

NS-Besatzungspolitik

Besonders verhängnisvoll war dieser Überfall für das slowenische Volk, dessen gesamtes Siedlungsgebiet zwischen den drei Besatzungsmächten Deutschland, Italien und Ungarn aufgeteilt wurde. Während der südliche Teil – das Gebiet um Laibach und die Unterkrain – an Italien angeschlossen wurde, fiel der nördliche Teil – die Untersteiermark und die Oberkrain – an Steiermark und Kärnten. Nun wurde - maßgeblich von der Steiermark und von Kärnten aus organisiert - ein brutales und äußerst rücksichtsloses Germanisierungsprogramm in Gang gesetzt. Beabsichtigt war die Auslöschung der ethnischen Identität des slowenischen Volkes. Slowenien sollte von der Landkarte verschwinden. Die dazu notwendigen Pläne der nationalsozialistischen Machthaber erwiesen sich als gut durchdacht und äußerst konsequent. Das vorgefasste Programm, um diese Ziele zu erreichen, gliederte sich in drei Teile:

 

1. umfassende Vertreibungen und Deportationen von Slowenen aus der Oberkrain

und aus der Untersteiermark,

2. entsprechende Ansiedlungen von Deutschen in diesen Gebieten und

3. eine möglichst rasche und vollständige Germanisierung, also Eindeutschung, des

ganzen Raumes samt den verbliebenen Menschen slowenischer Herkunft.

 

Zielstrebig arbeitete man an der Umsetzung dieser Pläne. Lehrer, Priester und Intellektuelle wurden verhaftet und deportiert. In den Kirchen durfte nur noch deutsch gepredigt werden. Rasch wurde die Germanisierung im Schulwesen vorangetrieben: Für die Volksschulen und Bürgerschulen wurden hunderte Lehrer aus Kärnten und der Steiermark herangezogen und schon im Herbst 1941, sechs Monate nach dem Überfall, wurde nur noch in deutscher Sprache unterrichtet. Innerhalb eines Jahres, bis Ende Juli 1942, wurden 53000 Slowenen in verschiedenen Lagern zusammengefasst, nach Serbien, Kroatien und ins Deutsche Reich deportiert und eine entsprechende Anzahl von Deutschen – Gottscheer, Kanaltaler, Südtiroler usw. – in diesen Gebieten angesiedelt.

 

in Slowenien erzwungen. Jahrhundertelange gemeinsame Arbeit und Geschichte auf gemeinsamem Boden zählten nicht mehr. Die Abrechnung mit den Deutschen war so tiefgreifend, dass heute in Slowenien nur noch verstreute Reste der Volksgruppe übrig geblieben sind.

 

Schon wenige Tage nach dem Einmarsch der Wehrmacht im April 1941 wurde Oberkrain (Gorenjska) dem Reichsgau Kärnten angegliedert. Zum Chef der Zivilverwaltung wurde SS-Brigadeführer Franz Kutschera ernannt, den der »Führer« mit weitreichenden Vollmachten ausstattete. Der Auftrag lautete »dieses Land wieder deutsch« zu machen, und zwar mit allen Mitteln. So ordneten die Besatzer die Besatzer die Auflösung sämtlicher slowenischen Vereine und Organisationen sowie die Beschlagnahmung ihrer Vermögen an. Slowenische Bibliotheken und Archive wurden geplündert oder überhaupt zerstört. Auch alle äußeren Zeichen slowenischer Kultur verschwanden: Slowenische Orts- und Straßennamen mussten deutschen Bezeichnungen weichen, slowenische Vornamen durch deutsche Taufnamen ersetzt werden. Slowenische Kindergärten wurden geschlossen, und in den Schulen übernahmen mehrere hundert deutschsprachige Lehrer aus dem »Reich« den Unterricht. Auch die erwachsene Bevölkerung wurde angehalten Deutschkurse zu besuchen und sich ihrer »germanischen Wurzeln« zu besinnen.

 

Gleichzeitig gingen Sondereinheiten gegen »rassisch unzuverlässige Elemente« vor. Die erste Säuberungswelle galt slowenischen Führungskräften, Priestern und Intellektuellen, der bald Massenverhaftungen und Deportationen anderer Bevölkerungsgruppen folgten. Tausende Gefangene befanden sich in den Sammellagern von Begunje, Goričane und Šentvid wieder, um von dort in den Südosten von Jugoslawien verfrachtet zu werden. So wurden im Juli 1941 2.300 Personen nach Serbien deportiert. Weitere Massentransporte fanden im Frühjahr 1942 statt. Der ursprüngliche Plan der Besatzer, rund die Hälfte der Bevölkerung in Gorenjska auszusiedeln, musste jedoch aufgrund des wachsenden bewaffneten Widerstandes aufgegeben werden. Auf die ersten militärischen Erfolge der Partisanen reagierten die Deutschen mit verschärften Repressalien gegen die Zivilbevölkerung. Um der Befreiungsfront die materielle Basis zu entziehen, wurden ganze Dörfer, darunter Kokra und Gradišče »geräumt«, d. h. dem Erdboden gleichgemacht, und wer immer sich der Unterstützung der Partisanen verdächtig machte, musste damit rechnen, hingerichtet zu werden.

 

In Begunje, das die Deutschen Vigaun nannten, befand sich das Gestapo-Hauptquartier. Hier wurden insgesamt 12.134 Personen festgehalten – neben aktiven Widerstandskämpfern hauptsächlich deren Angehörige bzw. Sympathisanten, darunter auch Kleinkinder und Greise. Die Nazis konnten hier auf die Infrastruktur zurückgreifen, die im 19. Jahrhundert geschaffen worden war, als man das Schloss in ein Frauengefängnis umfunktionierte. Um dem Naziterror den Anschein von Legalität zu geben, installierte Kutschera im Jahre 1941 ein »Sondergericht«, das sich unter dem Vorsitz von Kurt Messinger mit der »Aburteilung kommunistischer Elemente« befasste. Das Gericht tagte in der Kapelle des Schlosses. Die erste Sitzung fand im August 1941 statt und endete mit vier Todesurteilen, die bereits am darauf folgenden Tag vollstreckt wurden.

 

Ihren besonderen Sinn für Proportionen stellten die Nazis bei den Geiselerschießungen unter Beweis. Für jeden Deutschen, der bei Partisanenüberfällen umkam, mussten zehn Geiseln ihr Leben lassen, während für jeden slowenischen getöteten Kollaborateur »nur« fünf Geiseln exekutiert wurden. Meist fiel die Wahl auf die Bewohner der betreffenden »Bandengebiete«. Ihre Hinrichtung fand entweder vor Ort oder auf dem Richtplatz in Begunje bzw. im Dragatal statt. Gipfel des Zynismus: Die öffentliche Anprangerung der Geiseln und die Bekanntgabe ihrer Exekution auf zweisprachigen! Plakaten und Flugblättern.

 

Aus der peniblen Buchführung der Nationalsozialisten geht hervor, dass in Gorenjska während der Okkupation mindestens 1. 270 Geiseln erschossen wurden, darunter 849 Häftlinge aus Begunje. Weitere 5.100 Häftlinge landeten in deutschen Konzentrationslagern, davon 989 im KZ Mauthausen. Die wenigsten kehrten nach dem Krieg zurück.

 

 

 

 

 

 

 

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