Zeitdokumente

Letzter Brief von Anton Falle an seine Familie vom 13. Jänner 1945 aus dem KZ Dachau, zwei Tage vor seinem Tod.

 

[…] Schickt keine Wäsche mehr, denn Wäsche wird seit längerer Zeit nicht mehr ausgefolgt. Nun will ich euch einmal sagen, was man zweckmäßigerweise schicken soll: Zuerst natürlich auf die Pakete die Worte »Dachau 3K bei München«, so groß als möglich hinmalen, damit der Eisenbahnbeamte leicht sieht, wohin das Paket gehört. In die Pakete wird in der Regel getan: Speck und Wurst, natürlich kommt das bei uns nicht in Frage. Dann können Frauen haltbare und gute Brote zuhause machen. Frische Äpfel werden auch geschickt, denn hier ist jeder Apfel ein Genuss. Freilich muss man in dieser Jahreszeit aufpassen, dass das Obst nicht gefriert. Ein Glück ist wenn man ständig Zucker hat. Nur muss Zucker in geschlossene Behälter eingepackt werden, sonst wird alles nass. Und wenn ein Gläschen Eingekochtes: Kirschen oder Preiselbeeren oder gewöhnlicher Saft beigelegt wird, dann schwelgt man in Seligkeit.

 

 

 

Quelle: Privatbestand: Anton Falle jr., Klagenfurt. Zitiert nach Werner Koroschitz aus dem Buch: Heiss umfehdet wild umstritten, Geschichtsmythen in rot weiss rot, Drava, ISBN-Nr. 3-85435-450-9

 

 

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