Zeitdokumente

Abschiedsbrief von Martin Tschemernjak an seine Frau

 

Liebe Anni

Vor allem grüße ich Euch recht herzlich. Gerade Deinen Brief erhalten und zugleich die Mitteilung von der Urteilsvollstreckung.

Liebe Anni und Martin, wie auch Alma, ich kann mir nicht vorstellen, daß jetzt bei mir die letzte Stunde sein soll, daß ich mit Euch kein Wort mehr sprechen, Euch nicht mehr sehen kann. So gerne hätte ich die letzte Nacht mit Euch verbracht, aber leider, das Glück ist mir nicht gegeben, das Schicksal hat uns auseinander gerissen. Liebe Anni und Martin! Ich bitte Euch nochmals, versprecht mir das, um was ich Euch bitte, schaut auf die Mutter und helft ihr die Sorgen zu tragen, damit nicht alles auf sie kommt, dann wird die Mutter auch auf Euch nicht vergessen. Sie war ja so gut und hat für Euch gesorgt und hat sich um Euch bemüht, als ich noch daheim war. Also ich schließe mein Schreiben mit weinenden Augen, mir geht es nicht ein, daß es jetzt die letzte Stunde sein soll. Es grüßt Euch nochmals mit vielen Grüßen und nicht genug Küssen

Euer Vater

Vergeßt mich nicht und denkt ich bin bei Resi und Schwiegervater. Gute Nacht und lebet wohl! 

 

 

Quelle: Volkswille, 17. 11. 1945. Alpe adria 5/94

 

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